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„Sagt das nicht," unterbrach ihn die Jungfrau; „sage mirdas nicht. Andere mögt Ihr täuschen, bei mir vermögt Ihr csnicht. Von frühester Kindheit auf habe ich Etwas in mir, wovorTrug flieht und Täuschung nicht bestehe» kann. Warum mirdas Geschick diese Kraft verliehen hat, weiß ich nicht. Aber feststeht: obwohl ich als ein unwissendes Mädchen in dieser Einsamkeitausgewachsen bin, so können meine Augen doch nur zu oft sehen,was man gar zu gern vor mir verbergen möchte — ich erspäheden schwarzen Gedanken, der sich unter einer lächelnden Stirnverbirgt; ein Blick sagt mir mehr als Andere Eide und Be-theuerungcn."
„Nun wohlan denn, thcure Maria," sprach Halbcrt, „wennIhr so in Menschcnherzen lesen könnt, dann sagt mir, was Ihrin dem mcinigen erblickt. , Sagt mir, daß — sagt mir, daßdasjenige was Ihr seht, was Ihr leset in dieser Brust, Euchnicht verletzt — sagt nur das, und Ihr sollt der Leitstern meinerHandlungen sein, sollt mich für jetzt und für alle Zukunft ganznach Eurem Willen lenken zu Ehre oder Schande!"
Maria Avenel ward erst roth, dann todtenblaß, als Halbcrtso redete. Als er bei seinen letzten Worte» ihre Hand ergriff,zog sie dieselbe sanft zurück und sprach: „Ich kann nicht im Herzenlesen, und ich wünschte Nichts von dem Eurigen zu wissen, außerwas uns Beiden geziemte. Ich kann nur aus Zeichen, Wortenund unscheinbaren Handlungen richtigere Schlüffe ziehen, alsmeine Umgebungen, denn meine Augen haben, wie Ihr wißt,Dinge gesehen, welche den Blicken Anderer verborgen blieben."
„So lasse sie denn aus Einem ruhen, den sie nie mehr sehenwerden," rief Halbcrt, wandte sich um und eilte zum Hof hinaus,ohne zurückzublicken.
Maria Avenel stieß einen schwachen Schrei aus und drückteihre beiden Hände auf ihre Stirn und Augen, Eine Minute