„Sie hat meinen Bruder Edward," versetzte Halbert, sichplötzlich abwendend.
„Allerdings Halbert," fuhr das Mädchen fort, „hat sie denruhigen, edelgesinnten, besonnenen Edward, welcher Euren Muthbesitzt ohne Euer Ungestüm, Euren hochherzigen Sinn mit mehrVernunft, denselben zu leiten. Er würde nicht siine Mutter,seine Pflegschwcster vergebens bitten lassen, sich selber nicht un-glücklich zu machen und die Hoffnungen von Glück und Schutzfür sie nicht zu zerstören."
Dem Jüngling wollte das Herz zerspringen, als er auf diesenBorwurf antwortete: „Wozu weiter reden? Ihr habt ihn, derbesser ist, als ich — verständiger, besonnener, meines Wissens,wackerer. Ihr habt einen Beschützer; an mir braucht Euch Nichtszu liegen."
Abermals wandte er sich, um wegzugehen. Aber MariaAvenel legte ihre Hand auf seinen Arm so sanft, daß er kaumihren Druck fühlte, und doch es unmöglich fand, sie abzuschütteln.Er stand da, den einen Fuß vorgesetzt, um fortzugeheu, unddoch so wenig dazu entschlossen, daß er einem durch Zauber ge-bannten Wanderer glich, gleich unfähig die Stellung der Be-wegung aufzugrben wie zur Fortsetzung seines Weges.
Maria benutzte diesen Zustand der Unentschlossenheit. „Hörtmich an," sprach sie; hört mich an, Halbert. Ich bin eine Waise— hört doch auch der Himmel die Waisen an. — Ich bin dieGefährtin Eurer Kindheit gew.scn: wenn Ihr mich nicht einenAugenblick anhören wollt, von wem darf dann Maria Aveneleine so geringe Gefälligkeit in Anspruch nehmen?"
„Ich höre Euch an," versetzte der Jüngling, „aber faßt Euchkurz, theure Maria. Ihr mißdeutet mein Vorhaben; unser Ge-schäft ist bloß eine Sommerbelustigung."