„Durchaus Niemanden," versetzte Edward, sich auf denEllenbogen stützend. „Lieber Bruder, lege Dein Gewehr beiSeite, sage Dein Gebet und lege Dich zur Ruhe."
Während Edward so sprach, lächelte das Gespenst gleichsamhöhnisch gegen Halberten; ihre bleiche Wange verschwand in dembleichen Mondlicht, noch che das Lächeln vorüber war, und Hal-bert sah nun auch Nichts mehr von der Erscheinung, auf welcheer so angelegentlich seines Bruders Aufmerksamkeit gelenkt hatte.„Mein Gort, bewahre mir meinen Verstand," sprach er, indemer das Schwert bei Seite legte, und warf sich wieder auf sein Bett.
„Amen, theurer Bruder," fiel Edward ein, „aber wir müssenauch nicht im Augenblick des Uebcrmuthes den Himmel reizen,welchen wir am Lag der Noth anrufcn. Werde nicht böse aufmich, theurer Bruder — ich weiß nicht, warum Du Dich seitKurzem ganz von mir zurückgezogen hast. Es ist wahr, ich binweder so stark, noch so unerschrocken, wie Du von Kindheit aufgewesen bist; dennoch hast Du meine Gesellschaft nicht gemiedenbis in der letzten Zeit. Glaube mir, ich habe im Stillen geweint,obwohl ich mich in Dein Vertraue» nicht eindrängen wollte.Es ist eine Zeit gewesen, wo Du mich nicht so gering geachtethast. Konnte ich auch dem Wilde nicht so dicht auf dem Fußefolgen und es nicht so richtig treffen, so konnte ich dafür ursereMußestunden mit schonen Erzählungen aus der alten Zeit aus-füllen, die ich gehört und gelesen hatte, und auch Du horchtestdann gerne zu, wenn wir an einer schönen Quelle saßen und aßen.— O wirf doch Deine Arme nicht so wild herum; Deine sonder-baren Lräume lassen mich glauben, daß ein Fieberanfall DeinBlut erregt hat; laß mich Deinen Mantel fester um Dich wickeln."
„Laß es sein," sprach Halbert — „Deine Sorgfalt ist un-nöthig, Deine Beschwerden sind grundlos, Deine Besorgnissemeinethalben sind vergeblich."