Druckschrift 
4 (1851) Das Kloster
Entstehung
Seite
121
Einzelbild herunterladen
 

Das Gespenst lachte, und der kalte unnatürliche Klang seinesLachens halte etwas Schauderhafteres, als die gewöhnlichen me-lancholischen Laute seiner Stimme. Und dann sang es:

Du hast erst mich gerufen, schon ein Mal und zwei Mal,

Und jetzt komm' von selbst ich zu Dir, das ist drei Mal-Ungeheischt, ungebeten erschienst Du bei mir:

Ungeheischt, ungebeten komm' ich jetzt zu Dir."

Halbert unterlag einen Augenblick seinem Schrecken und riefseinem Bruder zu:Edward! wach' auf, wach' auf, um UnsererLieben Frauen willen!"

Edward erwachte und fragte ihn, was er wolle.

Sieh hin, sieh in die Höhe! Siehst Du Niemanden in derKammer?"

Edward sah hin und erwiderte:Auf mein Wort, nein."

Was? Siehst Du Nichts im Mondschein dort auf demFußboden?"

Durchaus Nichts," antwortete Edward,ausgenommenDich auf Dein blankes Schwert gestützt. Ich sage Dir Halbert,Du solltest mehr auf Deine geistlichen Waffen vertrauen, alsauf die von Stahl und Eisen. In mehr als einer Nacht bistDu aufgefahren und hast gestöhnt und laut von Fechten undvon Gespenstern und von Geistern geredet. Dein Schlaf hatDich nicht erquickt, Dein Wachen ist ein Traum gewesen.Folge mir, lieber Bruder, sage Dein Paternoster und Credo her,empfiehl Dich dem Schuhe Gottes, und Du wirst gesund schlafenund gestärkt aufwachen."

Es mag sein," sprach Halbert langsam, die Augen fort-während auf die weibliche Gestalt geheftet, welche ihm deutlichvor Augen stand;es mag sein. Lbcr sag' mir doch, lieberEdward, siehst Du wirklich Niemanden außer mir in der Kammerstehen?"