unwürdig wäre, sich so zu erniedrigen. „Wenn ich," sprach er,„eine solche Wundergeschichre erzähle, werde ich dann nicht ent-weder als ein Lügner oder als ei» Zauberer angesehen? — WäreHerr Piercie Shafton großmürhig, edel und gütig, wie die Kämpen,von denen wir in den Mährchen hören, dann könnte ich etwaGehör bei ihm gewinnen und ohne Erniedrigung aus meiner Ver-legenheit heraus kommen. Allein er ist, oder scheint wenigstens,eingebildet, anmaßend, eitel und hochfahrend. — Ich darf michnicht zwecklos erniedrigen — und ich will es nicht!" rief er,aufspringend, sein Schwert ergreifend und es in dem Mondlichtschwingend, welches durch die lange Fenstervertiefung einströmte.Da sah er zu seinem Staunen und Schrecken im Mondschein eineluftige Gestalt stehen, ohne einen Schatten auf den Boden zuwerfen. Die Züge waren kaum kenntlich, aber die Stimme über-zeugte ihn bald, daß das weiße Fräulein vor ihm stand.
Noch nie war ihre Erscheinung ihm so schrecklich gewesen.Damals, wo er sie hervorgerufen halte, war er vorbereitet siezu sehen und entschlossen, den Ausgang abzuwarten. Hier aberwar sie ungerufen gekommen und ihre Gegenwart erfüllte ihnmit bösen Ahnungen und mit der gräßlichen Besorgniß, daß ersich mit einem bösen Geist eingelassen haben möchte, dessen Be-wegungen er nicht meistern konnte und von dessen Gewalt undEigenschaften er keine Kenntniß besaß. So war denn Schreckendie einzige Empfindung, mit welcher er die Erscheinung betrachtete,während sie folgende Worte sang:
„Wer nach Rache wagt zu streben.
Darf vor blut'ger That nickt beben.
Den Knoten, so gesckürzt Dein Wort,
Kann lösen nur das Schwert hinfort."
„Fort, falscher Geist!" riefHalbcrt; „ich habe Deinen Rathbereits nur zu theuer erkauft. Hebe Dich weg, im Namen Gottes!"