119
sie und über das Haus zu bringen, in welchem sie von Kindheitauf Schutz gefunden hatte. Und zu diesen Betrachtungen kamennoch alle die unangenehmen Getühle, mit welchen der muthigsteMann, selbst bei einer besseren oder weniger zweideutigen Sache,dem ungewissen Ausgang seines ersten Zweikampfes entgcgensieht.
War die Aussicht für den Fall seiner Niederlage ganz undgar trostlos, so konnte er durch einen Sieg wenig mehr gewinnen,als die Rettung seines Lebens und die Befriedigung seines ver-letzten Stolzes. Seiner Freundin — seiner Mutter, keinem Bruder,besonders aber Marien mußte sein Sieg noch gewisseres Verderbenbringen als seine Niederlage. Wenn der englische Ritter davonkam, konnte er sie großmüthig beschirmen; fiel er hingegen, soließ sich nicht absehen, was sie zu beschützen vermochte vor derRache des Abtes und der Klosterbrüderschaft für den Friedcnsbruchim Stiftsgebiete und für die Tödtung ihres Schützlings durch einenihrer Untcrthanen, in dessen Hause sie ihm eine Zuflucht angewiesenhatten. Diese Gedanken, welche klar machten, daß in beidenFällen kaum etwas Anderes, als Verderben seiner Familie be-vorstehe — Verderben, lediglich durch seine Uebereilung über siegebracht, — diese Gedanken waren wie Dornen in seinem Pfühl,beraubten seine Seele der Ruhe, seine Augen des Schlummers.
Einen Mittelweg gab es nicht, ausgenommen einen ent-ehrenden und der, wenn er sich dazu bcquemte, ihn noch keines-wegs von Gefahr befreite. Er konnte dem Ritter die sonderbarenUmstände erzählen, welche ihn dazu geführt hatten, jenem dasWahrzeichen vorzuhaltcn, — die Nadel, welche (wie cs jetzt dasAnsehn hatte) das weiße Fräulein ihm im Unwillen gegeben.Aber zu diesem Gcständniß konnte sein Stolz sich nicht verstehen,und der Verstand, welcher bei solchen Gelegenheiten sehr bereit ist,mit dem Stolz übercinzustimmcn, — sein Verstand gab ihmGründe an die Hand, welche bewiesen, daß es eben so nutzlos wie