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Avenel als ein fremdartiges Wesen betrachteten, zumal da beideJünglinge selber in Folge der Einsamkeit ihrer Wohnung halbFremdlinge im Stift waren. Wenn aber diese Empfindungennicht in Zuneigung bestanden, so schlossen sie doch darum dieAchtung nicht aus, und die Aufmerksamkeit des Subpriors fürdie Familie, geschweige denn der gefürchtete Name Julian's vonAvenel, welcher in diesen unruhigen Zeiten zu immer höhererBedeutung emporstieg, gab der Tochter des Ficiherrn eine gewisseWichtigkeit. Einige suchten ihre Bekanntschaft aus Eitelkeit,furchtsamere Hintersassen prägten ihren Kindern den Gedankenein, es sei nothvcndig, dem Fräulein mit Ehrerbietung zu begegnen.So war Marie Avenel wenig geliebt, weil wenig bekannt, undwurde mit einer gewissen geheimnißvollen Scheu betrachtet, theilsaus Rücksicht auf die Mooskleppcr ihres Oheims, theils in Folgeihrer Eingezogenheit und geringen Geselligkeit, an welche sich dieabergläubischen Meinungen der Zeit und des Landes knüpften.
Etwas von dieser Scheu empfand Gretel, als sie sich miteinem in Rang und Benehmen ihr so fern stehenden Mädchen alleingelassen sah. Ihr ehrsamer Vater nämlich hatte die Gelegenheitwahrgenommen, unbemerkt hinauszugehen und zu schauen, wie dieScheuer gefüllt, somit wie viel Korn für die Mühle zu erwartenwar. Die Jugend hat indeß eine Art Freimaurerei, welche jungeLeute sich wechselseitig abschätzcn lehrt und sie nach kurzer Bekannt-schaft in ungezwungenen Verkehr mit einander bringt. Erst wennwir in der Welt die Kunst zu täuschen gelernt haben, suchen wirunsere Gesinnungen und Empfindungen zu verhehlen oder zu ver-kleiden. Und so blieben denn auch die beiden Mädchen sich nichtlange ferne. Sie besuchten Mariens Tauben, welche von diesermit mütterlicher Zärtlichkeit gepflegt wurden, sie durchmustertenihre» geringen Reichthum an Putz, der freilich Manches enthielt,wozu das Müllermädchen große Augen machte, ohne jedoch neidisch