Durch das Beispiel ihrer Mutter, welches sie so viele Jahrevor Augen gehabt hatte, und durch sein natürliches Gefühl vonSchicklichkeit und selbst von Würde, hatte Marie Avcnel sich einBenehmen angeeignet, welches ihren Anspruch auf Auszeichnungzu erkennen gab und von Vertraulichkeit diejenigen abhielt, welchein ihrer gegenwärtigen Lage ihre Gesellschafter sein, aber nichtwohl ihres Gleichen genannt werden konnten. Sie war sanft, zumNachdenken und zu Betrachtungen aufgelegt, gutherzig und leichtzu besänftigen, wenn man sie zufällig beleidigt hatte. Dabei liebtesie die Eingezogenheit, war nicht gesprächig, und verr«ied cs, anden gewöhnlichen Lustbarkeiten Theil zu nehmen, zum Beispiel aufJahrmärkten oder Kirchweihen, wo sie mit Mädchen ihres Alterszusammentraf. Bei solchen Gelegenheiten gab sie eine gleichgültigeZuschauerin ab, und man merkte ihr an, daß sie gern sobald alsmöglich den Schauplatz verließ- Dieß, und daß man wußte siewar auf Allerheiligenabend geboren, was ihr der Bolksmcinungnach Gewalt über die unsichtbare Welt gab, — alles dies veranlaßtedie jungen Leute im Stift, ihr den Namen das Gespenst von Avenelbeizulcgen, als ob ihre zarte Gestalt, ihre schöne aber etwas blaffenWangen, ihr tiefblaues Auge und ihr dunkeles Haar mehr derGeister- als der Körpcrwelt angehörten. Die Sage vom WeißenFräulein gab diesem Bauerwitz eine gewisse Würze. Die beidenjungen Glendinnings nahmen den Spaß sehr übel, und wenn inihrer Gegenwart der Ausdruck gebraucht ward, pflegte Edwarddem Muthwillen Vorstellungen, Halbert aber die Faust entgegen-zusetzcn. Hierbei hatte Halbert den Vortheil, daß Edward, dener mit Worten nicht unterstützen konnte, ihm getreulich bei Bal-gereien half, so zwar daß derselbe nie dergleichen anfing aber auchnicht müßig blieb, wenn es über seinen Bruder herging. Freilichbewirkten weder Edward's Gründe noch Halbcrr's Schläge eineAenderung in den Empfindungen, mit welchen die Leute Maria
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