Stelle hinsah, wo er die Gestalt zu erblicken glaubte, zeigte essich immer, daß er irgend einen Gegenstand in der ihm umgebendenNatur, einen weißen Felsen oder den Stamm einer verwittertenBirke mit ihrer silberweißen Rinde, sür die fragliche Erscheinungangesehen hatte.
Pater Eustachius hatte zu lange in Rom gelebt, um den Aber-glauben der unwissenderen schottischen Geistlichkeit zu thcilen.Um so sonderbarer kam cs ihm eor, daß die Mähr des Küsterseinen so tiefen Eindruck in seinem Gcmüth zarückgclassen hatte.„Wundersam," sprach er bei sich selbst, „daß diese Geschichte,welche ohne Zweifel von Philipp erfunden ist, um sein unpassen-des Benehmen zu verhehlen, mir so sehr im Kopfe herumgehtund mich in ernsteren Betrachtungen stört. Ich bin doch sonstimmer Herr meiner Gedanken. Ich will beten und mir dieseThorheit aus dem Sinne schlagen."
Der Mönch begann, andächtig seinen Rosenkranz zu beten,wie sein Orden es für solche Fälle vorschrieb, und erreichte sodie kleine Feste von Glendearg, ohne weiter durch Täuschungenseiner Einbildungskraft gestört worden zu sein.
Dame Glcndinning, welche am Thor stand, stieß einen Schreider Ucberraschung und der Freude aus, als sie den Pater erblickte.„Martin!" rief sie, „Kasper! Wo steckt denn das Gesinde? —Helf doch dem hochwürdigen Herrn Subprior beim Absteigenund und nehmt ihm das Maulthicr ab. — Ach Herr Pater! Gotthak Euch in unserer Noth gesandt — eben wollt' ich Roß undMann nach dem Stift schicken, obwohl ich mich schämen sollte,den Hochwürdigen Vätern so viel Mühe zu machen."
„Mit unserer Mühe hat es Nichts zu sagen, gute Frau,"sprach der Pater. Womit kann ich Euch dienen? Ich bin her-gekommen, um die Frau von Avenel zu besuchen."