Aber, obwohl so gemißbraucht, ist die heilige Schrift doch dieQuelle unseres Heiles und darf um des Thuns solcher Menschenwillen eben so wenig verworfen werden, wie eine starke Arzneigering geschätzt oder für giftig gehalten werden darf, weil ver-wegene und schlimme Aerzte sie zum Nachtheil ihrer Krankenangewandt haben. Wenn Ew. Hochwürden Nichts dagegen haben,so möchte ich wohl, daß über diesen Gegenstand eine genauereNachforschung angestellt würde. Ich selber will den Thurm vonGlendearg besuchen, che ich viele Stunden äller bin, und ichwill sehen, ob irgend ein Gespenst oder weißes Weib der Wild-niß es wagt, meine Hin- oder Herreise zu unterbrechen. — Hab'ich Ew. Hochwürdcn Erlaubniß und Segen? fragte er in einemTon, der zu beweisen schien, daß er auf die eine und auf denanderen kein großes Gewicht legte.
„Du hast Beides, Bruder," sprach der Abt. Kaum aberhatte Eustach das Zimmer verlassen, so konnte Bonifacius nichtumhin, gegen den mit Wohlgefallen lauschenden Küster denWunsch auszudrücken, daß irgend ein Geist, schwarz, weiß odergrau, dem Rathgeber eine Leclion geben möchte, welche im Standewäre, ihn von seiner Anmaßung, weiser, als der ganze Conventsein zu wollen, gründlich zu heilen.
„Ich wünsch' ihm keine schlimmere Lection," sprach derKüster, „als den Fluß lustig hinab zu schwimmen mit einemGeist hinter sich und Nixen, Nachtraben und Aale insgesammtbereit, nach ihm zu schnappen.
Lustig wir schwimmen, der Mond scheint in Pracht,
Glück auf zum Fischen! Wem gilt es heut Nacht?
„Bruder Philipp," sagte der Abt, „wir ermahnen Dich,Deine Gebete herzusagen, Dich zu sammeln und Dir diesen thörich-ten Sang aus dem Sinn zu schlagen. Es ist nichts weiter, alsTeufelstrug."