gute Frau, wie Alice von Avenel, nichts wirklich Böses so eifriglesen könne. Aber überwältigt durch das Schreien und dendrohenden Ton des Pater Philipp, brachte sic ihm am Endedas verhängnißvolle Buch. Sie konnte es thun, ohne daß dieEigcnlhümcrin es merkte, denn diese lag auf ihrem Bette, er-schöpft durch das lange Gespräch mit dem Beichtvater, und diekleine Runde oder Kammer im Thurm, in welcher das Buchund ihre sonstigen wenigen Habseligkeiken lagen, war durch eineandere Thüre zugänglich. Von Allem, was sie halte, war dasBuch das letzte, was ihr einfallcn konnte, zu verbergen, dennwas konnte cine Familie damit anfangen wollen, in welcherNiemand las, oder mit Lesern im Verkehr stand? Dame Elspcthkonnte also ohne Schwierigkeit das Buch wegnehmcn, wiewohlihr Herz ihr sagte, daß sie hierin unedel und ungastlich gegenihre Freundin und Hausgenossin handelte. Die grund- und lehn-hcrrliche Gewalt stand ihr gegenüber, und die Wahrheit zu sagen:die Kühnheit, mit welcher sie sonst vielleicht dieser Gewalt Trotzgeboten hätte, fand leider ein Gegengewicht in der Neugier, mitwelcher sie, als eine Tochter Eva's, Auskunft über daS geheim-nißvolle, der Freifrau so thcure, Buch zu haben wünschte, dessenInhalt diese mit so viel Behutsamkeit mittheilte. Denn nie hatteAlice von Avenel Etwas aus dem fraglichen Buche vorgelesen,bevor das eiserne Thor des Thurmes verschlossen und jeder Gefahrvor ungebetenen Zeugen vorgebeugt war. Und auch dann hattesie durch die Auswahl besonderer Stellen zu erkennen gegeben,daß es ihr mehr darum zu thun war, ihnen die in dem Buchenthaltenen Grundsätze cinzuprägen, als sie in eine neue Glaubens-lehre einzuweihcn.
Als Elspeth, halb neugierig, halb reuig das Buch demMönch übergeben hatte, fuhr dieser nach einigem Blättern auf:„Nun, bei meinem Orden, es ist, wie ich vermuthet habe! Mein
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