112
„Ho! ho! ho!" lachte der Küster nach, in dem Ton, in wel-chem ein Untergebener dem Scherz seines Oberen Beifall gibt.Sodann fügte er heuchlerisch näselnd und pfiffig blinzelnd hinzu:„Es ist unsere Schuldigkeit, heiliger Valer, die Wittwe zu trösten,Hi! hi! hi!"
Dies letztere Lachen war etwcs gemäßigter in Erwartung,daß der All erst den Scherz gutheiße.
„Ho! ho!" wieherte der Abt. „Also Spaß bei Seite, Bru-der Philipp, nimm Dein Reitkleid und geh hin, diese DameAvenel Beichten zu hören."
„Aber" — — sprach der Küster
„Nichts von Aber!" donnerte der Abt dazwischen. „ZwischenMönch und Abt gilt kein Aber und kein Wenn, Bruder Philipp.Die Bande der Zucht dürfen nicht erschlaffen, — Ketzerei nimmtzu wie ein Schneeball — die Menge erwartet Beichten undPredigten von dem Benediktiner, wie vom Bettelmönch — undwir dürfen den Weinberg nicht im Stich lassen, ob auch dieArbeit uns schwierig ist,"
„Und dem Gotteshaus so wenig Vortheil bringt," fügte derKüster hinzu.
„Das ist wahr, Bruder Philipp; aber wißt Ihr nicht, wasUebel verhütet thut Gutes? Dieser Julian de Avenel führt einleichtes und übeles Leben; vernachlässigen wir die Wittwe seinesBruders, so möchte er dafür unsere Lande plündern, ohne daßwir Nachweisen könnten, wer uns weh gcthan hat. Ucbcrdemist es unsere Schuldigkeit gegen eine alte Familie, welche zu ihrerZeit eine Wohlthäterin dieses Klosters gewesen ist. Also augen-blicklich fort, Bruder; reite Tag und Nacht, wenn's nöthig ist,und laß die Welt sehen, wie emsig Abt Bonifacius und seine getreuenKinder sind in Erfüllung ihrer geistlichen Pflicht, wie keine Mühe sieverdrießt, — denn die Schlucht ist fünf Meilen lang,— wie keine