111
keit hielt. Alice von Avenel nahm ihren Wink freundlich aufund dankte ihr dafür.
„Wenn ein guter Priester sich die Mühe nehmen wollte,einen solchen Weg zu machen, sollte er herzlich willkommen sein,denn die Gebete und Lehren der Guten müssen stets von Nutzensein." »
Dies bloße Aufriedensein war keineswegs, was Elhpcth Glen-Linning gewünscht oder erwartet hatte. Sie ersetzte aber durchihren eigenen Eifer, was der Freifrau an Sehnsucht nach geist-lichem Trost abging, und Martin ward abgesandt; in größter Eile,so weit dies Struppel's Beine gestatteten, nach dem Stift zu S.Marien zu reiten und einen der Religiösen zu bitten, er mögekommen, der Wittwe Walter's de Avenel die letzten Tröstungenzufließen zu lassen.
Als der Küster dem gnädigen Herrn Abt vermeldet hatte, daßdie Wittwe von weiland Walter de Avenel in großer Schwachheit imThurm zu Glcndearg liege und nach dem Beistand eines Beichtva-ters verlangte, besann sich der fürstliche Mönch und sprach dann:„Wir erinnern uns Walter's de Avenel, er war ein guter Ritterund mannhaft, er ward seines Landes beraubt und erschlagen vonden Südländern. Kann die Frau nicht hieher kommen zum Sakra-ment der Beichte? denn der Weg ist weit und beschwerlich zu reiten."
„Die Frau ist unwohl, heiliger Vater," erwiderte der Küster,„und nicht im Stande, die Reise zu ertragen."
„Ah! So! ja — da muß einer unserer Brüder zu ihr gehen.— Weißt Du, ob sie irgend ein Witthum von diesem Walter deAvenel hat?
„Sehr wenig, heiliger Vater," antwortete der Küster; „seitihres Mannes Tod wohnte sie zu Glcndearg fast von der Mildeeiner armen Wittwe Namens Elspeth Glcndinning."
„Ei Du kennst ja alle Wittwen im Land. Ho! ho! ho!"