Druckschrift 
4 (1851) Das Kloster
Entstehung
Seite
99
Einzelbild herunterladen
 

darum für gcrathcn, für jetzt alle ehrgeizigen Gedanken zurück-zuweisen und ruhig in der öden, aber friedlichen Zufluchtsstättezu bleiben, in welche die Vorsehung sie geführt hatte.

Auf Allcrheiligenabend, nachdem die beiden Familien geradedrei Jahre beisammen gewohnt hatten, war der häusliche Kreisum das Torffeuer in dem kleinen Saal des Thurmcs von Glendeargvereinigt. Zu jener Zeit siel es Niemanden ein, daß Herrschaftund Dienerschaft abgesondert wohnen oder speisen müßten. Dieeinzige Auszeichnung war der bequemere Sitz am oberen Tischendein der Nähe des Feuers. Die Dienerschaft mischte sich, bescheidenzwar, jedoch freimüthig und ohne zum Schweigen verwiesen zuwerden, in jedes Gespräch. So war cs auch im Thurm vonGlendearg. Nur ein paar Ackerkncchte unv die beiden Töchterdes Einen, welche im Thurm Hausarbeit verrichteten, zogen sichAbends in ihre Hütten neben dem Thurm zurück. Nach ihremWeggang verschloß Martin erst das eiserne Gatter, dann dasinnere Thor des Thurmes, und der häusliche Kreis ordnete sichin folgender Weise. Dame Elspcth saß am Rocken und spann,Libb stand am Feuer und kochte die Molken in einem Kessel, wel-cher an einer Kette mit einem Haken im Kamin hing. Martin,Wagner, Schmied, Schuster und Schneider in einer Person, besserteEins und das Andere aus und gab dabei auf die Kinder acht.

Die drei Kinder sprangen im Saal herum und hinter denStühlen der Alten her, konnten auch in die anstoßenden Gemächer,laufen, wo sich vortrefflich Versteckens spielen ließ. Diesen Abendjedoch schienen sie nicht geneigt, diese dunklen Oerter zu besuchen,und machten ihre Sprünge in der Nähe dcS Lichtes. Hier saßAlice von Avcnel, dicht bei einem eisernen Leuchter mit einerunförmlichen hausmachenen Kerze, und las aus einem dicken Buchmit Schlössern vor, welches sie mit der größten Sorgfalt bewahrte,.Lesen hatte sic als Kind in einem Nonnenkloster gelernt, hatten

7»