zu, nahm aber zuvor das Kreuz davon ab, küßte es mit großerEhrerbietung und steckte cs in den Busen. Der Engländer,halb belustigt, halb betroffen, fragte den älteren Knaben ineinem halb scherzhaften, halb ernsthaften Ton: „Was willst Dudamit sagen, daß Du S. Georg's rothes Kreuz weggcworfcn hast?"
„Weil S. Georg rin südlicher Heiliger ist," versetzte mürrischdas Kind.
„Gut," sprach Stawarth Balton. — „Und Du, kleinerBursche, warum hast Du cs wieder aus dem Bach geholt?"
„Weil der Priester sagt, es ist das gemeinsame Zeichen desHeils für alle guten Christen."
„Auch gut!" sagte der ehrliche Kricgsmann. Ich versichereEuch, gute Frau, daß ich Euch um diese Jungen beneide. Ge-hören sie beide Euch?"
Stawarth Bolton hatte Ursache, diese Frage zu thun, dennHalbert Glendinning, der ältere, hatte rabenschwarzes Haar,schwarze, große, kühne Augen, die unter Brauen von derselbenFarbe hervorblitzten, eine bräunliche, wenn auch nicht geradeschwärzliche Haut und ein Ansehn von Raschheit, Offenheit undEntschlossenheit, welches weit über sein Alter hinausging. Ed-ward dagegen, der Jüngere, war blond, blauäugig, von hellerer,etwas blasser Hautfarbe, ohne die rothen Wangen kräftiger Ge-sundheit. Doch hatte er auch nichts Krankhaftes oder Uebelesin seinem Aussehen, war vielmehr ein hübsches Äind mit lächeln-dem Antlitz und sanftem, jedoch heiterem Blick.
Die Mutter warf einen Blick mütterlichen Stolzes erst aufden Einen, dann auf den Anderen, ehe sie dem Engländer ant-wortete: „Allerdings, Herr, sind sie beide meine Kinder."
„Und von demselben Vater?" fragte Stawarth weiter; setzteaber, als er ein Erröthen des Unwillens an ihr bemerkte, augen-Kloster >. 6