Druckschrift 
3 (1851) Der Pirat
Entstehung
Seite
197
Einzelbild herunterladen
 

197

Auch Brenda ging schweigend bei ihrem Geliebten vorüber,warf ihm aber aus der Ferne einen Blick der Dankbarkeitund deS Wohlwollens zu, der seine Besorgniß für ihre Sicher-heit wo möglich noch verdoppelte.

Die Schwestern waren jetzt ans dem Gesichtskreise des Hauses.Minna, deren Schritt bis dahin schwach und schwankend gewesenwar, fing an, sich cmporznrichten, und auf einmal so fest undschnell zu gehen, daß Brenda, welche nur mit Mühe mit ihr Schritthielt, sie auf die Unvorsichtigkeit aufmerksam machte, wie sie durchdiese unnütze Eile ihr Gemnth anfrcgc und ihre Kräfte erschöpfe.

Sei unbesorgt, meine thenre Schwester," sagte Minna,die Entschlossenheit, welche ich jetzt fühle, wird und muß michwährend dieser furchtbaren Zusammenkunft aufrecht halten.Ich konnte nur mit gesenktem Haupte und wankendem Schrittegehen, während ich mich noch im Gesichte eines Mannes befand,der mich nothwendig für einen Gegenstand seines Mitleids oderseiner Verachtung halten muß. Aber du weißt, meine theuersteBrenda, und auch Cleveland soll es wissen, daß die Liebe, welcheich für diesen unglückliche» Mann hegte, so rein war, wie dieStrahlen der Sonne, die sich jetzt in de» Wellen spiegeln. Undich rufe diese glanzvolle Sonne und jenen blauen Himmel zuZeugen an, daß ich für alle Versuchungen der Erde nicht einge-willigt haben würde, ihn wieder zu sehen, geschähe dies, nicht,um ihn zu bewegen, seine unglückliche Lebensweise zu ändern."

Während sie so in einem Tone sprach, der Brenda vielVertrauen einflößte, hatten die Schwestern den Gipfel einerAnhöhe erreicht, von wo aus sic eine weite Aussicht ans dasStonelenge der Orkney-Inseln hatten, das von einem großenKreise und Halbkreise der sogenannten stehenden Steine gebildetwird, welche bereits in ihrem Grauweiß in der ausgehenden Sonneglänzten, und ihre langen, riesenhaften Schatten weit nach Westen