Furcht vor den Folgen, die der Auftritt, der jetzt zu erwartenstand, auf Minna's Gesundheit und Geisteszustand habenkönnte, theile. Magnus Trott schien indessen durchaus keineBesorgnisse der Art zu hegen, sondern sah mit ernster FassungNorna's Vorbereitung zu, und schien den Ansgang mit derRuhe eines Menschen zu erwarten, der volles Vertraue» indie Geschicklichkeit eines Arztes setzt, und ihn die Vorkehrun-gen zu einer wichtigen und schmerzhaften Operation treffensieht, an deren Ansgang er aus Freundschaft oder Liebe einenlebhaften Antheil nimmt.
Norna fuhr indessen mit ihren Vorbereitungen fort, bissie auf den steinernen Tisch eine Menge Gegenstände aller Art,und unter andern auch ein kleines Kohlenbecken voll Holzkoh-len, einen Schmelztiegel und ein Stück dünnes Tafelblei gelegthatte. Jetzt sagte sie laut: „Es ist gut, daß ich wußte, ihrwürdet kommen, — ja, lange vorher, ehe ihr selbst euch dazuentschlossen habt — denn nie würde ich sonst auf das vorbe-reitet gewesen sein, was jetzt geschehen soll. — Mädchen,"fuhr sie fort, indem sie sich an Minna wandte, »wo ist derSitz deines Uebels?"
Die Leidende beantwortete diese Frage, indem sie die Handans die linke Seite ihres Busens legte."
„Ganz recht," erwiderte Norna, „ganz recht, — das istder Sitz des Wohles und deö Wehes. Und ihr, ihr Vater undihre Schwester, glaubt nickt, daß dieß die eitle Rede einer Per-son sei, die nur ans das Gerathewohl schwatzte; wenn ich euchdas Nebel nenne, so werde ich es vielleicht auch weniger schmerz-lich machen können; ganz geheilt kann es aber durch keine Hülfewerden. Das Herz, ja das Herz — berührt es nur, und dasAuge verdunkelt sich, der Pulsschlag bleibt aus, der gesundeStrom des Blutes fließt matt und trübe, unsere Glieder sterben