164
das Höchste steigerte. Das Fenster war vom Boden nichthöher, als etwa acht Fuß, und sie säumte keinen Augenblick,sich von demselben herabzuschwingen und den Gegenstand zuverfolgen, der ihr Schrecken erregt hatte.
Als sie aber an die Ecke des Gebäudes kam, hinter welchemder Schatten hervorgekommcn zu sein schien, sah sle nichts, wasihr den Weg, den die Gestalt genommen hatte, im Geringstenhätte andenten können, und ein kurzes Besinnen reichte hin,sie zu überzeugen, daß alle Versuche zu weiterer Verfolgungeben so unverständig, als fruchtlos sein würden. Außer allenden Vorsprüngen und Vertiefungen des vielwinkligen Hauses,seinen Außengebänden, den verschiedenen Kellern, Niederlagen,Ställen u. s. w., welche ihre Nachforschungen vereiteln mußten,zog sich auch noch eine Reihe niedriger Felsen von hier ausnach dem kleinen Hafen hin, eigentlich eine Fortsetzung desRückens, der dessen Damm bildete. Diese Felsen hattenmanche Vertiefungen, Schluchten und Höhlen, und in einevon diesen konnte die Gestalt sich mit ihrer verhängnißvollenLast geflüchtet haben, denn verhängnißvoll, fürchtete sie, mußtesie sein.
Ein kurzes Bedenken überzeugte Minna, wie gesagt, vondem Thörichten jeder weiteren Verfolgung. Ihr nächsterGedanke war, die Familie zu wecken; allein dann mußte siesagen, von was und von wem die Rede sei. Auf der andernSeite konnte aber dem Verwundeten, wenn er verwundetwar — ach, wenn er tödtlich verwundet war — noch Hülfegeleistet werden, und in dieser Ueberzeugung war sie im Be-griff, zu rufen, als sie Claudius Halcro'S Stimme hörte, der,dem Anscheine nach, vom Hafen znrückkehrtc, und nach seinerWeise ein Stück eines alten norwegischen Liedes sang, dasman etwa so übersetzen könnte: