160
während Thränc auf Thräne langsam in ihrem Auge cmpvr-stieg, und ihre Wangen herabricselle, sobald sie so schwer ward,daß ihre langen seidenen Augenlider sie nicht mehr zu tragenvermochten. Während sie so lag, in die trüben Gedanken ver-sunken, durch welche diese Thränen herabgelockt wurden, glaubtesie, zu ihrem Erstaunen, Musik zu hören. Sie meinte Anfangs,es sei ein Schwank Claudius Halcro's, dessen phantastischeLaune sich zuweilen i» solche Abendständchen ergoß, allein eSwar nicht die Gnc des alten Barden, sondern eine Guitarre,ein Instrument, das Niemand auf der Insel zu spielen verstand,als Cleveland, der es bei seinem Verkehr mit den südameri-kanischen Spaniern vorzüglich zu behandeln erlernt hatte.Vielleicht lernte er in jenen Klimaten auch das Lied, das jetztzwar unter dem Fenster eines Mädchens von Thnle gesungen,doch gewiß nie für eine Bewohnerin eines so nördlichen undstrenge» Klima's gedichtet worden war, da er von Erzcngnis-scn der Erde und des Himmels sang, die hier durchaus un-bekannt sind:
Sank die Schönheit schinnnnernd hin.Dann ist Lieb' erwacht,
Die auf's Bett der SchläferinStrent der Rosen Pracht.
Mög' ein süßer Traum dir nennen.Was dieß Her, scheut, zu bekennen.
Weht UNI mich auch süßer Duft,Bang' doch athm' ich hier!
Balsam würzet rings die LustDon den Palmen mir.
O. tränk' ich von deinem MundeSüßer» Nektar diese Stunde!
Hör' ihn, der dich treulich liebt,Ewig treu dir bleibt;