129
ich befehlen. Komm' her, mein Kind, es gibt außer einem alt-modigen lind unschuldigen Scherze noch viele Dinge, deren mansich schämen könnte — komm' her; ich selbst werde für dichsprechen, wenn ich auch gleich nicht ganz sicher bin, ob ich michwohl noch auf einen Reim besinnen kann."
Minna's Gesicht überflog eine leichte Rothe; allein sie ge-wann sogleich ihre Fassung wieder, und stand stolz anfgerichtctneben ihrem Vater, wie Jemand, der über jeden Scherz, zudem seine Lage Gelegenheit geben kann, erhaben ist.
Der Vater brachte, nachdem er sich die Stirn gerieben undeinige andere mechanische Mittel angewcndet hatte, um seinemGedächtniß zu Hülfe zu kommen, endlich so viele Verse zusam-men, damit die folgende Frage zu thun, wenn sie auch weni-ger zierlich als Halcro's Fragen klang:
Sprich Mutter und verschweig' cS nicht.
Ob bald den Hochzeilkranz dieß Mädchen flicht?
Wird sie wolil bald ein Weibchen sein,
Doch auch dein Grain sich dann nicht weih'u?
Ein tiefer Seufzer ertönte aus dem Gezclte der Wahrsa-gerin, als ob sie den Gegenstand des Ausspruches bemitleidete,den sie ertönen zu lassen gcnöthigt war. Hierauf gab sie,wie gewöhnlich, ihre Antwort:
Der Liebe fremd, bleicht Mädchens,»» genauDe», Schnee dort auf den Höhen. Aufwärts schau,
Hoch zu den Wolken, willst du seinen ScheinErblicken, wie er strahlend, schön und rein.
Doch faßt das arme Herz die Leidenschaft,
So tobt sie gleich des FrühliugSsturineS Kraft.
Dann schmilzt der Schnee von jenen Höhen nieder,
Im Thal seh'n wir die Flurhell toben wieder.
Es wankt der Fuß, umbraußr vom Fluthendrang,
Der stürmt auf ihn, und macht ihn muthloS, bang!
Pirat. II. 9