III
Sommer ist, zu wandeln pflegiest, ich immer den Blick vomAbhänge vorzog, wenn die Wogen toben."
„Und gerade das ist es, was ich fürchte," sagte Brenda;„gerade diese Neigung zam Abenteuerlichen ist es, welche dichjetzt an den Rand eines Abhanges hinziebt, gefährlicher als jeeiner, den die Frühlingsflnth bespült. Dieser Mann — sie-llicht finster aus, denn ich will nicht gewöhnliche Klatschereiensagen — ist er nicht selbst in deinen parteiischen Augen schroffund übermüthig? Du sagst, er sei gewohnt, zu befehlen; aberbefiehlt er nicht eben deßwegen auch da, wo er kein Recht dazuhat, und da, wo er eigentlich gehorchen sollte? Geht er nichtmehr wegen seiner selbst, als wegen jeder andern Rücksichtder Gefavr entgegen? Und kannst du dir es möglich denken,mit einem so nnstäten, stürmischen Geiste verbunden zu sein,dessen Leben bisher nur unter Gefahren und Tod verging,und der selbst an deiner Seite seine Ungeduld nicht verbergenkann, sich wieder in diese Lebensweise z» stürzen? Ein Ge-liebter muß, dünkt mich, seine Geliebte höher als sein eigenesLeben halten, aber der deinige setzt sie dem Vergnügen nach,Ander» de» Tod zu geben."
„Und gerade deßwegen liebe ich ihn," sagte Minna. „Ichbin eine Tochter der alten norwegischen Frauen, welche ihreGeliebten lächelnd in den Kampf ziehen sahen, und sie mitihren eigenen Händen »mbringen konnten, wenn sie entehrtznrückkehrten. Mein Geliebter muß die Poffenspiele verachten,wodurch unser entartetes Geschlecht sich anszeichnen will, odersie nur zum Scherz und z»r Vorbereitung auf höhere Gefahrentreiben. Ich mag keine» Wallfisch fangenden, Vogelnesterausnehmenden Liebhaber-, mein Geliebter muß ein Seekönigsein, oder was die neueren Zeiten noch sonst aufzuweisen habenmögen, das sich dieser erhabenen Würde nähert."