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gegenseitige Handreichung — gewähr, wie bleich ihre Schwesterwar; und nachdem sie sich durch einen Blick in de» Spiegelüberzeugt hatte, daß sie selbst nicht so matt aussehe, küßte sieMinnas Wange und sagte zärtlich: „Claudius Haler» hattewohl recht, liebe Schwester, wenn seine dichterische Ueber-spannung uns die Namen Tag und Nacht beilegte."
„Und warum machst du gerade jetzt diese Bemerkung?"fragte Minna.
„Weil Jede von uns zu der Tageszeit, von der sie denNamen hat, am gesündesten anssieht. Ich war vor Schrecke»beinahe des Todes, als ich in der vergangene» Nacht alle dieDinge hören mußte, welche du mit so besonnener Festigkeitvernahmst, und jetzt, wo es Tag ist, kann ich mit Fassungdaran denken, während dn so bleich anssiebst, wie ein Geist,den der Sonnenaufgang überrascht."
„Du bist sehr glücklich, Brenda," sagte ihre Schwesterernst, „daß du eine so wunderbare und schreckliche Geschichteso bald vergessen kannst."
„Das Schreckliche," cntgegnete Brenda, „läßt sich nicht soleicht vergessen; nur muß man hoffen, daß des unglücklichenWeibes erhitzte Einbildungskraft, welche sich so tbäiig bei derHerbeizauberung von Erscheinungen beweist, ihr ein Verbrechenaugedichtet hat."
„Dn glaubst also," sagte Minna, „nichts von ihrer Zu-sammenkunft bei dem Zwergsteine, jenem wunderbaren Orte, vondem man so viel erzählt und der so viele Jahrhunderte lang fürdas Werk eines Dämons und für seinen Wohnsitz gegolten hat?"
„Ich kann mir nicht denken," sagte Brenda, „daß unsereunglückliche Verwandte eine Betrügerin sei, und glaube deß-wcgen, daß sie wahrend eines Gewitters bei dem Zwergsteinewar, daß sic in demselben Schutz suchte, und daß sie während