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Norna war den Töchtern Trolls wohlbekannt, allein sie konn-ten sie nicht ohne Unruhe, obgleich nach ihrer besvndern Gemütks-stimmung verschieden, so unerwartet und zu einer solchen Stundeschein Ihre Ansichten von den übernatürlichen Gaben, welcheNorna zu besitzen behauptete, wichen sehr von einander ab.
Minna war, wenn auch ihrer Schwester an Talent überle-gen, durch eine sehr rege Einbildungskraft dennoch ungleich mehrgeneigt, wunderbare Erzählungen zu hören und Geschmack daranzu finden, und den Eindrücken, welche ihrer Phantasie Spiel-raum und Beschäftigung gaben, ohne die Wirklichkeit derselbengenauer in Erwägung zu ziehen, leicht zugänglich. Brendadagegen hatte bei ihrer Fröhlichkeit einen gewissen Hang zurSatyrc, und konnte oft gerade über das lachen, warauf Minnadie Träume ihrer Einbildungskraft baute; auch ließ sie, wie alledie, welche das Lächerliche lieben, sich nicht leicht von hochtönen-den Ansprüchen irgend einer Art bestechen oder einschüchtern; daindeß ihre Nerve» schwächer und reizbarer waren, als die ihrerSchwester, so huldigte sie oft unwillkürlich, aus Furcht, solchenBegriffen, welche ihre Vernunft nicht anerkannte; deßwegenpflegte auch Claudius Halcro, in Beziehung auf manchen herge-brachten Aberglauben, der um Aurgh-Westra gang und gäbewar, zu sagen: Minna glaube ohne Zittern daran, und Brendazittere, ohne daran zu glauben. In unfern aufgeklärten Tagengibt cs Wenige, derer gläubiger Sinn und angeborener Muthnicht auch Minna's hochgespannten Enthusiasmus gefühlt ha-ben, und vielleicht noch Wenigere, deren Nerven nicht, wie dieBrenda's, dem Einflüsse der Schrecknisse nachgaben, welche ihreVernunft verläugnete und verachtete.
Bon so verschiedenen Gefühlen beseelt, wollte Minna, alsder erste Angenblick der Ueberraschung vorüber war, aus demBette springen und Norna begrüßen, die, wie sie nicht zweifelte,