Druckschrift 
3 (1851) Der Pirat
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

23

wilde Höhle, in welche die See, in gewaltigen, hohen und un-gebrochenen Wellen hineintoste, als die Wohnung einer be-kannten Zauberin bezeichneten.

Auch der Ocean hatte seine Geheimnisse, deren Wirkung nochdurch das matte Dämmerlicht erhöht wurde, in welchem manihn über die Hälfte des Jahres nur undeutlich erblickte. Seinebodenlosen Tiefen und geheimnißvollen Höhlen enthielten, nachden Erzählungen Sweyus und Anderer, welche in den Sagenund Legenden bewandert waren, Wunder, welche neuere Schiff-fahrer mit Verachtung verwerfen. In der ruhigen, vom Mondebeleuchteten Bucht, in der die Wellen sich am Ufer sanft kräu-selten, sah man noch immer das Meerfräulein im Mondlichtdahingleiten, und hörte es, die Stimme mit dem seufzendenWinde vermählend, von unterirdischen Wundern singen, oderkünftige Ereignisse verkünden. Der Kraken, dieses gewaltigstealler lebenden Dinge, ruhte, ihrem Glauben nach, noch immerin der Tiefe des nördlichen Oceans, und oft, wenn eine Nebel-wand das Meer in der Entfernung bedeckte, sah der Blick deserfahrenen Bootsmanns die Fühlhörner des ungeheuren Levia-than in den Nebelwolken auftauchen und schwanken, und schontedann weder Ruder noch Segel, damit nickst die plötzlicheStrömung, welche das Hinabsinken der ungeheuren Masse zumMeeresgründe verursachte, auch seinen gebrechlichen kleinen Na-chen in den Bereich seiner mannigfach gestalteten Arme hinab-zichen möge. Auch die Seeschlange war ihnen wohlbekannt,wie sie, aus der Tiefe des Meeres emporsteigend, ihren unge-heuren, mit einer Mähne, wie die eines Streitrvsses, bedecktenHais bis zu den Wolken hinaufreckt, und mit ihren großen,glänzenden Augen mastenhoch emporragend, sich nach Beuteoder Opfern umsteht.

Daneben gab es aber auch sanftere und weniger beschwer-