Druckschrift 
2 (1851) Robin der Rothe
Entstehung
Seite
173
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Indem sie sich von ihrem hochländischen Klepper herabbeugte,berührte ihr Gesicht, vielleicht nicht ganz ohne Absicht, das mci-nige. Sie drückte meine Hand, während die Thräne, die in ih-rem Auge zitterte, auf meine Wange siel. Es war ein unvergeß-licher Augenblick unaussprechlich bitter, und dennoch vermischtmit einem so tiefergreifenden, süßen Wonnegefühl, daß er auf ein-mal alle Empsindungsthore meines Herzens öffnete. Es war abernur ein Augenblick, denn sich sogleich von dem Gefühle ermannend,dem sie sich unwillkührlich überlassen hatte, sagte sie ihrem Gefähr-ten, daß sie bereit sei, ihm zu folgen; und ihre Pferde in scharfenKrad setzend, waren sie bald weit von der Stelle entfernt, woich stand.

Der Himmel weiß, daß es nicht Unempfindlichkeit war, diemeine Zunge und meinen ganzen Körper so sehr fesselte, daß ich we-der Diana's halbe Umarmung erwidern, noch ihr Lebewohl beant-worten konnte. Das Wort erstarb aus meinen Lippen die Ueber-raschung der Kummer betäubten mich beinahe. Mit dem Packetin der Hand, sah ich ihnen unbeweglich nach, als ob ich die Funkenhätte zählen wollen, die unter den Hufen ihrer Pferde sprühten.Ich blickte ihnen noch nach, selbst als diese nicht mehr zu sehen wa-ren, und lauschte noch auf die Töne des Hufschlags, als schon derletzte entfernte Laut vor meinem Ohr verhallt war. Endlich quol-len aus meinen Augen Thränen, die ich mechanisch zu trocknensuchte, fast ohne zu wissen, daß ich sie vergoß; aber sie flössen stär-ker und stärker, und indem ich mich an dem Wege niedersetzte, weinteich die ersten bittern Thränen, welche seit der Kindheit meinemAuge entströmt waren.