Druckschrift 
2 (1851) Robin der Rothe
Entstehung
Seite
271
Einzelbild herunterladen
 

271

Könnt Ihr sic mir nicht hier geben?" fragte ich.

Ihr müßt sie durch Eure Augen erhalten, nicht durch meineZunge Ihr müßt mir folgen, oder über die Nachricht, die ichEuch zu geben habe, in Ungewißheit bleiben."

Es lag etwas Kurzes, Bestimmtes und selbst Rauhes in demWesen dieses Mannes, das gewiß nicht geeignet war, unbedingtesZutrauen zu erwecken.

Was fürchtet Ihr?" sagte er ungeduldig.Wem, glaubtIhr, sei EuerLeben so wichtig, daß man suchen sollte, Euch dessenzu berauben?"

Ich fürchte nichts," antwortete ich fest, obwohl etwas hastig. Vorwärts ich begleite Euch."

Wir gingen, gegen meine Erwartung, in die Stadt zurück,und schlichen, stummen Gespenstern gleich, neben einander durchdie leeren, geräuschlosen Straßen. Die hohen, finstern Stein-gebäude mit den mannichfachen Zierrathen und Fenster-Einfas-sungen schienen im bleichen Mondlichte noch höher und dunkler zusein. Wir setzten unfern Weg einige Minuten in tiefem Schweigenfort. Endlich fragte mein Führer:Fürchtet Ihr Euch?"

Ich gebe Euch Eure eigenen Worte zurück," erwiderteich.Warum sollte ich mich fürchten?"

Weil Ihr bei einem Fremden seid vielleicht bei einemFeinde, in einem Orte, an dem Ihr keinen Freund aber vieleFeinde habt."

Ich fürchte weder Euch, noch sie; ich bin jung, rüstig undbewaffnet."

Ich bin nicht bewaffnet," erwiderte mein Führer;doch dasgilt gleich; einer willigen Hand fehlt es nie an einer Wehr. Ihr

i