lichen Lobgesang darzubringen, worin Schauer mir Freude sichmischt, wenn sie an ihren Schöpfer sich wendet. Ich hatte in Frank-reich dem Hochamte beigewohnt, mit all der Herrlichkeit vollzogen,welche die Reize der Tonkunst, die Pracht der Gewänder und diefeierlichsten Gebräuche ihm verleihen konnten; dennoch wirkte csgeringer, als die Einfachheit des presbyrerianischcn Gottesdienstes.Die Andacht, an der Jeder Theil nahm, machte eine um so vielhöhere Wirkung, als die, welche wie eine eingclernte Aufgabe, vonTonkünstlern vorgetragen wurde, daß cs dem schottischen Got-tesdienste alle Vorzüge des Wahren vor dem Erkünstelten verlieh.
Als ich noch auf die feierlichen Klänge lauschen wollte, ergriffmich Andrew beim Aermel und sagte: „Sir, kommt! Wir dürfennicht so spät hineingchen und dadurch den Gottesdienst stören;wenn wir hier bleiben, werden die Aufseher kommen und uns, alsMüßiggänger zur Kirchzcit, auf die Wache bringen."
Auf diese Mahnung folgte ich meinem Führer aber nicht, wieich vermuthet hatte, zu der Hauptthüre. „Hierher! hierher!"rief er, mich davon fortziehend. „Dort ist nur frostige Wahr-heit! — fleischliche Moral, so kraft- und saftlos, wie Raute im Ju-lius. Hier ist der wahre Wohlgeschmack der reinen Lehre!"
Mit diesen Worten trat er in eine kleine niedrig gewölbteThüre, die ein ernst aussehender Mann eben verschließen wollte,und wir stiegen mehrere Stufen hinab, wie zu einem Grabgewölbeunter der Kirche. So war es auch; denn in diesen unterirdischenRäumen war, aus welchen Gründe», weiß ich nicht, ein höchstsonderbarer Ort zum Gottesdienst eingerichtet.
Man denke sich eine lange Reihe niedrig gewölbter, finstrerHallen, wie sic an andern Orten zum Begräbniß gebraucht werden,und die auch hier dazu gedient hatten, und von denen ein Theil mitSitzen versehen war und als Kirche benutzt wurde. Die Gewölbekonnten zwar eine Versammlung von mehrerer hundert Menschen