Druckschrift 
2 (1851) Robin der Rothe
Entstehung
Seite
227
Einzelbild herunterladen
 

227

schwatzen und necken sie sich in die Eifersucht. Aber Ihr und ich,Frank, wir sind vernünftige Wesen, und weder einfältig noch mü-ßig genug, um uns in irgend ein anderes Berhältniß, als offene,redliche und uneigennützige Freundschaft, hineinzusprechen. Jedeandere Verbindung zwischen uns ist unmöglich. Die Wahrheitzu sagen," fügte sic nach einer kurzen Pause hinzu,wenn ich auchso nachgiebig gegen den weiblichen Anstand bin, über meine Auf-richtigkeit ein wenig zu erröthen, wir können uns nicht heirathcn,wenn wir auch wollten, und wir dürften es nicht, wenn wir cskönnten."

Und gewiß, sie erröthcte auf das Lieblichste, als sie diese grau-same Erklärung aussprach. Ich wollte eben ihre beiden Behaup-tungen angreifen, uneingedenk des Verdachtes, der sich mir an die-sem Abende bestätigt hatte, aber sic fuhr mit einer kalten Festigkeit,die an Strenge gränzte, fort:

Was ich sage, ist die einfache, unbestreitbare Wahrheit,über welche ich weder Fragen, noch Erklärungen hören will. Wirsind also Freunde, Mr. Osbaldistone? Nicht wahr?" Siereichte mir ihre Hand, faßte die meinige, und setzte hinzu:Undwir sind einander, jetzt und künftig, nichts als Freunde!"

Sie ließ meine Hand los. Ich senkte zugleich mit derselbendas Haupt, überwältigt von der Güte und Festigkeit ihres Wesens.Sie gab schnell dem Gespräche eine andere Wendung.

Hier ist ein Brief," sagte sie,richtig und deutlich an Euchüberschricben, der aber, bei aller Vorsicht der Person, die ihnschrieb und beförderte, vielleicht nie in Eure Hände gekommen wäre,hätte ihn nicht ein gewisser Pacolct erhalten, ein bczauberterZwcrg,den ich, gleich allen bedrängten Romanfräulcin, in meinem gehei-men Dienste habe."

15 *