Meine Augen folgten der Richtung der ihrigen, indem sie diessagte, und es kam mir vor, als bewege sich die Tapete, welche dieThüre des geheimen Ganges zu Rashleigh's Zimmer bedeckte. Ichglaubte, wir würden beobachtet, und richtete auf Diana einen fra-genden Blick.
„Es ist nichts," sagte sie mit schwacher Stimme; „eineRatte hinter der Tapete."
„Todt für einen Dukaten," würde ich geantwortet ha-ben, hätte ich gewagt, mich den Gefühlen zu überlassen, die sichbei dem Gedanken in mir regten, jetzt von einem Lauscher behorchtzu werden. Klugheit, die Nothwendigkeit, meine Leidenschaft zuverbergen, und Diana's wiederholtes Gebot: „Verlaßt mich! ver-laßt mich!" hinderten zu rechter Zeit eine übereilte Handlung. Icheilte hinaus, in einer wilden Aufregung des Gemüthes, die ich beider Rückkehr in mein Zimmer vergebens zu beruhigen suchte.
Ein Chaos von Gedanken erfüllte mich aus einmal, zog schnelldurch meine Seele und verdunkelte sich unter einander, gleich denNebeln, die in Gebirgsgegenden in düstern Wolken sich niedcrsen-kcn und die Merkzeichen verhüllen, nach denen der Wanderer seinenWeg durch die Wildniß findet. Die dunkle unbestimmte Vorstel-lung der Gefahr, die aus den Ränken eines Mannes, wie.Rash-leigh Osbaldistone, entstehen konnte — die halbe Liebeserklärung,welche ich Diana Vernon gemacht hatte — die anerkannte Schwie-rigkeit ihrer Lage, gebunden durch einen früheren Vertrag, sichdem Kloster oder einer unpassenden Verbindung zu opfern — allesdies drängte sich auf einmal vor meine Seele, und mein Verstandwar unfähig, irgend etwas davon in gehörigem Lichte zu betrach-ten. Vor allem Andern aber fühlte ich mich verwirrt über die Art,wie Diana das Geständniß meiner Zuneigung ausgenommen hatte,und über ihr Benehmen, welches, zwischen Theilnahme und Fe-stigkeit schwankend, zu verrathen schien, daß in ihrem Herzen eine