Als der Tag von Rashleigh's Abreise kam, sagte sein Vaterihm gleichgültig Lebewohl; seine Brüder schieden mit der schlechtverhehlten Freude von Schulknaben, die ihren Lehrer auf einigeZeit verreisen sehen, und ihr Vergnügen darüber nicht auszudrückcnwagen; ich selbst nahm mit kalter Höflichkeit von ihm Abschied.Als er Miß Vernon nahte und sie umarmen wollte, wich sie mit ei-nem Blicke stolzer Verachtung zurück, und sagte dann, indem sieihm die Hand reichte: „Lebt wohl, Rashleigh. Gott vergelteEuch das Gute, das Ihr mir erwiesen habt, und vergebe Euch dasBöse, das Ihr im Sinne hattet."
„Amen, schöne Cousine!" erwiderte er mit einem Ausdruckevon Frömmigkeit, der meiner Meinung nach der Schule von St.Omer angehörte: „Selig ist der, dessen gute Absichten die Fruchtder Thaten tragen, und dessen böse Gedanken in der Blüthc ver-darben. "
Dies waren seine Abschiedsworte. — „Vollendeter Heuchler!"sagte Diana zu mir, als er die Thüre hinter sich zumachte. „Wieähnlich kann das Verächtlichste und Verhaßteste im Aeußern demsein, was wir am meisten verehren!"
Ich hatte durch Rashleigh an meinen Vater und auch einigeZeilen an Owen geschrieben, außer dem bereits erwähnten vertrau-ten Briese, den ich auf andere Weise zu bestellen für gut hielt.Sehr natürlich wäre es gewesen, in diesen Briefen meinem Vaterund meinem Freunde zu zeigen, daß ich mich in einer Lage befand,in der ich in nichts unterrichtet werden konnte, als in den Geheim-nissen der Wild- und Falkenjagd, und in welcher ich leicht in derGesellschaft roher Stall- und Pferdeknechte alle nützlichen Kennt-nisse, alle feinere Bildung, die ich erwarb, vergessen konnte. Eswäre gleichfalls natürlich gewesen, den Widerwillen und Ueberdrußauszudrücken, den ich unter Menschen empfand, deren Sinn nurauf die Jagd und noch herabwürdigendere Vergnügungen gerichtet