fl, kI
Au
lkt. "'
156
halbstündigen Ueberblick, so gut beschreiben, als wenn ich es Euchmit Schnur und Zirel vorgezeichnet hätte."
„Aber cs ist doch etwas da, das einer sorgfältiger» Unter-suchung werth ist.— Was sagt Ihr zu Diana Vernon? Bildetsie nicht einen anziehenden Gegenstand in der Landschaft, und wennAlles umher so rauh wäre, wie Islands Küste?"
Ich bemerkte deutlich, daß Rashlcigh Mißfallen an dem Ge-gcnstandefand, auf den ich jetzt dasGesprächbrachte; allein ich hattemir durch meine freimüthige Mitthcilung ein Recht erworben, auchvon meiner Seite Fragen zu thun. Rashlcigh fühlte dies, und sahsich gezwungen, meiner Aufforderung zu folgen, so schwer er es auchfinden mochte, seine Karten gut zu mischen. „Ich bin seit einigerZeit weniger mit Miß Vernon bekannt, als flüher," sagte er. „Inihrer ersten Jugend war ich ihr Lehrer; als sie sich aber dem jung-fräulichen Alter näherte, machten meine verschiedenen Geschäfte —die Würde des Berufes, dem ich bestimmt war — ihre eigene Ver-pflichtung — kurz, unsere beiderseitige Lage, eine enge und fortge-setzte Vertraulichkeit gefährlich und unschicklich. Ich glaube,Diana hielt meine Zurückhaltung für Unfreundlichkeit, allein sicwar Pflicht; ich empfand so viel, als sie zu empfinden schien, da ichmich gcnöthigt sah, der Klugheit nachzugcben. Aber was konntemich schützen, wenn ich den vertrauten Umgang mit einem schönenund reizbaren Mädchen fortsetzcn wollte, dessen Herz sich entwederdem Kloster oder einem bestimmten Bräutigam weihen muß?"
„Dem Kloster oder einem bestimmten Bräutigam?" wieder-holte ich. „Muß Miß Vernon darunter wählen?"
„Allerdings," erwiderte Rashlcigh mit einem Seufzer. „Ichbrauche Euch vermuthlich nicht gegen die Gefahr zu warnen, dieFreundschaft mit Miß Vernon zu vertraulich werden zu lassen. Ihrseid ein Mann von Welt, und wißt, wie weit Ihr in dem Umgängemit ihr gehen könnt, ohne Eure Pflicht zu gefährden und ungerecht
' ... »