unter einem Volke trafen, das in seiner Regicrungsform wie inseinen Sitten noch dem Naturzustände nahe steht, etwas Interes-santes und Anziehendes für die haben, welche es lieben, alte Leutevon vergangenen Zeiten erzählen zu hören.
Dennoch mußtDu daran denken, daß eine Geschichte, welcheein Freund dem aufmerksamen andern Freunde erzählt, den hal-ben Zauber verliert, wenn sie dem Papiere anvertraut wird; unddaß die Erzählungen, denen Du mit Theilnahme lauschtest, da sievon dem Munde dessen kamen, der Alles selbst erlebte, weit weni-ger Interesse erwecken, wenn sie in der Einsamkeit des Arbeitszim-mers überlesen werden. Doch Dein geringeres Alter und Deinekräftige Gesundheit versprechen ein längeres Leben, als aller Wahr-scheinlichkeit nach das Loos deines Freundes sein wird. Lege daherdiese Blätter in irgend ein geheimes Fach Deines Schreibtisches,bis wir von einander durch ein Ereigniß getrennt sind, das sich je-den Augenblick zutragen kann, und binnen wenigen Jahren, sehrwenigen Jahren, zutragcn muß. Sind wir in dieser Welt geschie-den, um uns, wie ich hoffe, in einer bessern wicderzusehen, dannwirst Du das Andenken Deines vorangcgangencn Freundes mehrehren, als er es verdient, und in den Begebenheiten, die ich jetzt demPapiere anvertraue, Stoff zu trüben aber doch nicht unangeneh-men Erinnerungen finden. Andere geben den Vertrauten ihresHerzens Bilder ihrer äußern Züge — ich lege in Deine Hände einetreue Schilderung meiner Gedanken und Gefühle, meiner Tugendenund Fehler, mit der zuversichtlichen Hoffnung, daß die Thorheitenund der kopflose Ungestüm meiner Jugend dieselbe freundliche Ent-schuldigung und Verzeihung gewinnen werden, die den Schwächenmeines reiferen Alters so oft zu Theil wurde.
Unter vielen andern Vortheilen, welche ich dadurch erreiche,daß ich diese Memoiren (ich will den Blättern einen so pomphaftenNamen geben) einem theuren und vertrauten Freunde übergebe,