42
digkeit verschwand, daß die aufregenden Umstände der stürmischenZeit bei ihr eine gewisse Würde des Gefühles und Ausdruckes hervor-zurufen schienen, welche er früher nicht bemerkt hatte, und daß siekeine Gelegenheit unbenutzt ließ, ihre Kenntnisse zu erweitern undihren Geschmack-zu verfeinern.
FloraMacJvor nannte Rosa ihren Zögling, und war aufmerk-sam, ihr in ihren Studien beizustehen, und sowohl ihren Geschmackals ihren Geist zu bilden. Ein ganz genauer Beobachter hätte in-dessen bemerken können, daß sie in Waverley's Gegenwart viel mehrbemüht war, die Eigenschaften ihrer Freundin geltend zu machen,als ihre eigenen. Aber sch muß den Leser ersuchen, anzunehmen,daß diese freundliche und uneigennützige Absicht durch das vorsich-tigste Zartgefühl verhehlt wurde; so daß es der gewöhnlichen Be-mühung eines reizenden Weibes, ein anderes reizend erscheinen zulassen, eben so ungleich war, wie die Freundschaft David's und Jo-nathan's dem vertrauten Verkehr von zwei Müßiggängern. DieLhatsache ist, daß die Wirkung zwar gefühlt, die Ursache aberschwerlich bemerkt wurde. Jede der Damen war, wie zwei vortreff-liche Schauspielerinnen, ausgezeichnet in ihrer Rolle, und erfüll-ten sie zum Entzücken der Zuhörer, und unter diesen Umständenkonnte man kaum entdecken, daß die ältere fortwährend ihrerFreundin das abtrat, was die Talente derselben am besten her-vorhob.
Aber für Waverley besaß Rosa Bradwardine eine Anziehungs-kraft, der nur wenige Männer widerstehen können, und zwar durchdie offene Theilnahme, die sie an Allem zeigte, was ihn betraf.Sie war zu jung und zu unerfahren, um die ganze Macht der be-ständigen Aufmerksamkeit, die sie ihm zollte, zu würdigen. IhrVater war zu ausschließlich mit gelehrten und militärischen Strei-tigkeiten beschäftigt, um ihre Parteilichkeit zu bemerken, undFlora Mac Jvor beunruhigte sie nicht durch Warnungen, denn sie