Druckschrift 
1 (1851) Waverley
Entstehung
Seite
170
Einzelbild herunterladen
 

170

rcren Damen vom ersten Range vorgestellt, und sein Benehmen,für den Augenblick gänzlich frei von dem Zwange der Blödigkeit,der es bei geringerer Aufregung gewöhnlich umwölkte, fand allge-meinen Beifall.

Flora MacJvor schien unter allen anwesenden Frauenzimmerndas einzige zu sein, welches ihm mit einem gewissen Grade der Kälteund Zurückhaltung begegnete, aber selbst sie konnte einige Verwun-derung über Talente nicht unterdrücken, welche sic im Laufe ihrerBekanntschaft nie so glänzend und mit solchem Erfolge entwickelnsah. Ich weiß nicht, ob sic eine augenblickliche Reue darüber fühlte,so entschieden einen Liebhaber zurückgcwiesen zu haben, der so wohlgeeignet schien, einen hohen Platz in dem höchsten Range der Gesell-schaft einzunehmen. Sicher hatte sic bisher zu den unverbesserlichenFehlern Edward's dessen »muvslse baute gerechnet, welche, da siein den ersten Cirkeln des Auslandes, und fern von dem scheuen We-sen englischer Sitte erzogen war, ihrer Meinung nach, der Blodig-keit und Dummheit zu nahe stand. Wenn aber in ihr ein vorüber-gehender Wunsch entstand, daß Waverlep sich immer so liebenswür-dig und anziehend gezeigt haben möchte, so war dessen Wirkungdoch nur sehr augenblicklich; denn seitdem sic sich nicht sahen, hat-ten sich Umstände zugetragen, welche bei ihr den Entschluß, den siefrüher in Bezug auf ihn faßte, fest und unwiderruflich machten.

Mit entgegengesetzten Gefühlen lauschte Rosa Bradwardincvon ganzer Seele. Sie fühlte einen geheimen Triumph über denöffentlichen Tribut, der einem Manne gezollt wurde, dessen Ver-dienst sie nur zu früh und zu sehr würdigen gelernt hatte. Ohneeinen Gedanken der Eifersucht, ohne ein Gefühl von Furcht,Schmerz oder Zweifel, ungestört durch irgend eine selbstsüchtige Be-trachtung, gab sie sich dem Vergnügen hin, das allgemeine Gemur-mel des Beifalles zu beobachten. Wenn Waverley sprach, war ihrOhr ausschließlich von dem Klange seiner Stimme erfüllt; wenn