warten, oder zu glauben, daß der gegenwärtige Zustand derDinge dazu berechnet sei, die Verwirklichung der Visionen herbeizu-führen, denen er so gern nachhing, daß er nichts mehr fürchtete,als die Entdeckung der Gefühle, welche durch sein Sinnen erwecktwurden. Er hatte weder einen Vertrauten, dem er seine Träume-reien mittheilte, noch wünschte er einen zu haben, und so sehrfühlte er die Lächerlichkeit, welche man denselben beilegte, daß,wenn er die Wahl zwischen einer schmachvollen Strafe und derNothwendigkeit gehabt hätte, eine kalte und ruhige Schilderungder Ideenwelt zu geben, in welcher er den befs.rn Lheil seiner Tageverlebte, er, wie ich glaube, nicht gezögert haben würde, das Ersterevorzuzichen. Dies Geheimniß wurde ihm doppelt werth, als ermit zunehmendem Alter den Einfluß der erwachenden Leidenschaftenfühlte. Weibliche Gestalten von ausgezeichneter Anmuth undSchönheit begannen sich in seine geistigen Abenteuer zu mischen;auch währte es nicht lange, bis er sich außerhalb umschaute, die Ge-schöpfe seiner Einbildungskraft mit den weiblichen Wesen des wirk-lichen Lebens zu vergleichen.
Die Liste der Schönheiten, welche ihren wöchentlichen Staatin der Kirche von Waverley entfalteten, war weder zahlreich, nochauserwählt. Bei weitem die leidlichste war Miß Sissly, oder wiesie sich lieber nennen ließ, Miß Cecilia Stubbs, die Tochter desSquire Stubbs vom Maierhofc. Ich weiß nicht, ob es nur durch„den gewöhnlichsten Zufall von der Welt geschah", ein Ausdruck,der, von weiblichen Lippen gebraucht, den boshaftenVorsatz nichtimmer ausschließt, oder nur durch eine Uebereinstimmung des Ge-schmackes, daß Miß Cecilia Edward auf seinen Licblingsspaziergän-gen durch das Waverley - Gehege mehr als ein Mal begegnete. Erhatte noch nicht den Muth gewonnen, sie bei diesen Gelegenhei-ten anzurcden, aber dies Zusammentreffen blieb nicht ohne Wir-kung. Ein romantischer Liebhaber ist ein sonderbarer Anbcter, derWaverley. i. o