2l b e l l i n o.
Schauspiel in fünf Aufzügen.
(Nach der spater» Bearbeitung.)
An einem Kreise junger Freunde, die sich auf der ehemaligenHochschule zu Frankfurt an der Oder den Wissenschaften wid-meten, gehörte z» den geselligen Ergötzlichkcitcn, daß jeder ansdem Stegreif eine Geschichte erzählen mußte, deren Ende »nd Ans-gang Keiner von den Zuhörern errathen konnte. Einem dieserErzähler, als ihn die Reihe traf, kam zufällig eine Anekdote zuHülfe, die er in einem alten deutschen Büchlein, schon im Anfangdes siebenzchnten Jahrhunderts gedruckt, gelesen hatte, und zwarvon einem klugen vcncdischen Edelmann, der, um eine Verschwö-rung gegen den Staat zu entdecken, sich mit großer Kunst ver-stellt, unter die Banditen begeben »nd mit ihnen gemeine Sachegemacht habe. Der junge Erzähler benutzte diesen Stoff so gut,daß die übrigen Nebenbuhler reichlichen Beifall zollten, ihn mahn-ten, das Gcschichtchen schriftlich anfznsetzcn, und, als dies ge-schehen war, sogar ein Theaterstück daraus zu versuchen.
So entstand das Schauspiel Abellino, dessen Verfasser sichdamals schwerlich träumen ließ, daß das flüchtige Werk eines ge-selligen Muihwillens bald auf alle» deutschen Bühnen lärmen, undsogar zu Engländern, Franzosen und Spaniern übergehe» würde.Er selbst sah das Stück in seinem Leben nur dreimal anfführcn.