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Wohl ist der Geist, weicher das Bestehende an-feindet, weil eS das Bestehende ist, und verändernwill, nur um zu verändern oder um persönliche In-teressen zu befriedigen, ein böser, friebesiörcnder Geist.Auch der Grundsatz der Verjährung aber, nach wel-chem das Geltende darum gelten soll, weil es gegol-ten hat, ist ein verderblicher Grundsatz, weil er jedenFortschritt und jede Entwickelung hindert und das Le-ben in tobte Erstarrung verwandeln will. Frey vonbeiden stehet der Weise in der Welt, achtet das Be-stehende, sobald er den Grund seiner Geltung erkennt,trägt es oft auch dann, wenn er'S nicht billiget, undwill, was er nicht gut heißen kann, nicht umgesiürztwissen, sondern nur umgebildet und allmählig verwan-delt: auf der andern Seite aber ist ihm auch nichtsdarum etwas, weil es etwas gewesen ist, selbst eine tau-sendjährige Dauer kann weder das Unrecht noch denIrrthum vor seinen Augen rechtfertigen. Wohl ist diePrüfung alles Geltenden, welche dem achtzehnten Jahr-hunderte den Beynamen des philosophischen erworbenhat, oft in einen Dünkel ausgeartet, welcher die Weis-heit der Väter verachtete, in eine Neuerungssucht,welche dem Einfalle des Augenblickes das lange Er-probte aufopferte, und selbst 'in einen revolutionärenUngestüm, welcher heilige Rechte verletzte und heilsameAnstalten zerstörte. Wahr aber ist und bleibt dennochder Grundsatz, daß kein Jrrthum und kein Unrechtdurch Verjährung zur Wahrheit und zum Rechte wer-den könne, und nichts darum nur gelten dürfe, weil csgegolten hat, und seiner Anwendung verdanken wir jadoch auch viele heilsame Verbesserungen im Staate undin der Kirche, in der Schule und im geselligen Leben.