C'inleltuiin.
01
nachzuschickcn; indem er den Zusammenhang ahnte, suchte er Kleistlekhast akzurcdcn, da er sich mit seiner ganzen Persönlichkeit für einsolches Vorhaben nicht eigne. Hieraus erhält er mit Stafette einenzweiten Brief: die Bedenken wegen des Erfolgs werden widerlegt,und zugleich angckündigt, daß ein gemeinschaftlicher Bekannter, einGutsbesitzer, den Arsenik in einer zum Gut gehörigen Apotheke be-sorgen und an Hartmann Übersenden würde, von dem ihn Kleistohne Verzug erwarte. Wirklich trifft der Arsenik ein, wird abervon Hartmann sofort einer Apotheke übergeben. So erzählt Lannin seinen Memoiren. — Aehnlichc Gedanken spukten damals nichtselten in den Köpfen der erhitzten Jugend; am 12. Octobcr 1809hatte Staps in Schönbrnnn den verunglückten Mordversuch ge-macht. — Bei Kleist war es eigentlich nur der krankhafte Trieb derSelbstzerstörung, der sich in diesen wilden Phantasien anssprach.„Diese grellen Widersprüche, sagt Ticck, die das Leben zu zerstörendrohen, schlafen wohl in den Gcmüthcrn der meisten Menschen, jaman kann vielleicht sagen, der Mensch und sein Charakter gehe erstans ihnen hervor, und um so mehr, wenn ihm die Natur irgendein ausgezeichnetes Talent verliehen, ihm eine vorzügliche Stellungin der Gesellschaft angewiesen hat. Den gewöhnlichen Menschendrücken und ängsten diese Widersprüche seines Wesens nicht auf lange;die jugendliche Ungenügsam kcit beschwichtigt sich bald in irgend einemherkömmlichen Berus, in den Gewohnheiten der Welt und alltäglicherBeschäftigung und Zerstreuung; dagegen hat die Jngcndgeschichte solcherMenschen, die innerer Trieb und Enthusiasmus zu den Wissenschaftenführt, vorzüglich aller Künstler und Dichter, darum unter sich einegroße Aehnlichkeit, weil alle mehr oder minder diesen Trübsinn, dendie Widersprüche der gewöhnlichen Welt und die Uubckanntschast deseignen Innern erregen, nicderznkämpfen und zu überwinden haben.Das Schicksal sorgt in der Regel dafür, daß ein edler Leichtsinntröstend über diese Klippen den Wandrer leitet, oder daß sich die