Einleitung.
I.XXXV
seinem Eigeuthum schaltet. Dies launige Werk, das fast ohne In--halt ist, hat doch beinahe die Lange eines gewöhnlichen Schauspiels.Hie und da folgt der Dichter seiner Angewöhnung zu sehr, daß sichdie Personen einzelne Worte vom Munde wegfangen, schnell in Frageund Antwort ein kurzes Mißverständniß wie in Zerstreuung fort-setzen und doch nur zum Schein einen Dialog führen. Dies, mäßigangebracht, kann im Komischen wie im Ernst von Wirkung sein,aber es ist bei Kleist zu sehr Manier geworden und müßte bei derAufführung dem Schauspieler seine Rolle sehr erschweren." —
Es war noch in eben diesem Sommer 1808, daß Ti eck denDichter persönlich kennen lernte. Nur drei Jahre älter als Kleist,galt er bereits seit zehn Jahren als Stern erster Größe und wurdevon der jungen Schule als Goethc's Nachfolger designirt. Aber seineJugendkrast war gebrochen, eine schwere Krankheit hatte ihn nicder-geworfen, er war nahe am Katholicismns vorbeigestrcift, zu demseine Frau und Tochter wirklich übcrgctreten waren, und fing an,sich der neuesten romantischen-Generation gegenüber als verbrauchtzu empfinden. In seiner unruhigen Wanderschaft kam er im Som-mer 1808 nach Dresden. Adam Müller war sein erbitterter litera-rischer Gegner; wie er mit Kleist bekannt wurde, hat er uns nichtinitgcthcilt: vielleicht hatte ihn Arnim auf den Landsmann und Gei-stesverwandten aufmerksam gemacht. Ucbcr Kleist's Persönlichkeit er-zählt er: „er war von mittler Größe und ziemlich starken Gliedern,er schien ernst und schweigsam, keine Spur von vordriugcnder Eitel-keit, aber viele Merkmale eines würdigen Stolzes in seinem Beneh-men. Er schien mir mit den Bildern des Tasso Aehnlichkeit zu ha-ben, auch hatte er mit diesem die etwas schwere Zunge gemein."„Er war gewissenhaft ängstlich in seinen Arbeiten, sie rückten nichtschnell vor, er änderte oft und arbeitete wieder um. Er selbst waram schwersten zu befriedigen." — Kleist hatte eben sein neues Ritter-schanspiel, dasKäthchen vonHeilbronn, vollendet, von welchem