I.XXVI1I
Einleitung.
erkennen, wohin selbst ein echtes Dichtertalcnt geführt wird, trennes sich gelüsten läßt das Unmögliche zur Aufgabe zu wählen, undin dem, was jeuseit der Natur liegt, etwas Höheres, als die Natursehu zu wollen. Bei allem aber, was sich diesem Werke mit Rechtvorwerfen laßt, könnte seine Armuth noch manchen der neuem Dich-ter reich machen." — Wir können Tieck nicht beipflichtcn, wenn erdas Stück einen Rückschritt nennt: aus der Penthesilea wie ans demKohlhaas läßt sich ebenso die ganze Größe, wie die ganze Krank-haftigkeit des Dichters ermessen. Freilich muß man stärker darinabstrahiren als in einem andern Werk von Kleist, von den unmög-lichen Voraussetzungen wie von dem entsetzlichen Eindruck der Hanpt-scene; man muß eine Exccntricität der Gesühlsschwingnngcn, die demdeutschen Gefühl widerstrebt, sich gefallen lassen; wenn man aberdas vermag, und sich in die fremdartige Traumwelt vertieft, so wirdman von einer gewaltigen dämonischen Kraft durchdrungen, die denechten und großen Dichter vcrräth. Es ist als ob man vor derLeinwand steht, und den Liebreiz der wilden Amazone, die Anmuthihrer Bewegungen, die Glut ihres dunklen Auges in unmittelbarersinnlicher Einwirkung empfängt. Den Deutschen ist es so selten ge-geben, tiefe und gewaltige Leidenschaft darznstellen, daß man es demDichter danken muß, auch wenn er sich mit ihr in ein dunkles, häß-liches Feld verliert. — Athcmlos, ohne irgend einen Aktschluß, braustdas wilde Stück mit einer Macht dahin, die Jeden fortreißt; nirgendzeigt sich so gewaltig die dämonische Natur des Dichters, nirgendaber auch so bezaubernd sein Liebreiz; der ansbrechcnde Liebesjnbelder vermeintlichen Siegerin dringt durch Mark und Bein; die wildeJagd des Kampfes erleben wir in ruheloser Spannung mit. — Manerkennt den Dichter der Schroffensteiner wieder an der streng reali-stischen Haltung, an der knappen ansdrncksvvllen, aber etwas un-ruhigen und hastigen Sprache; allein in der Farbe ist ein schreienderGegensatz. In der Familie Schrosfenstein ist das Gemälde grau in