Einleitung.
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verräth es von Kleist eine seltsame Verirrung, wenn er bei der Pen-thesilea auch nur an die Möglichkeit einer Aufführung dachte; aberes hätte sich über das Stück denn doch noch etwas anderes sagenlassen, und gerade Goethe hätte es sagen können. Gab es noch einenWeg, Kleist zu retten — in einem Augenblick wo er alle seine Kräftezusammenraffte — so war es Goethe's mächtiger Schutz; und die-ser blieb ihm versagt. — Noch im Frühling kam die Penthesileaheraus (bei Cotta); vergleicht man cs mit dem Fragment des Phöbus,so sieht man, wie unermüdlich der Dichter die Feile anwandte. —„Nur ein wahrhaft dichterisches Gemüth, sagt Tieck, konnte den bi-zarren Plan und den Charakter der Penthesilea fassen und ent-werfen, und nur seine Energie, wenn sie eininal das völlig Unna-türliche und jenseit aller Wahrheit liegende ergriffen hatte, konnteden Muth und die Ausdauer behalten, dieses seltsame Ungeheuer mitso vielem Schmuck ächter Poesie, mit solchen Zügen großer und schö-ner Menschlichkeit, mit so manchem rührenden Verse, so oft wieder-kehrenden erhebenden Gesinnungen zu zieren und auszustatten. Siehtman nur auf Sprache und Vers, auf glänzende, so vollendete Schil-derungen, daß wir die Sache selbst im klarsten Licht vor unfern Au-gen sehn, auf Kühnheit der Bilder und Gleichnisse (wo sich freilicheinigemal das Widrigste neben das Schöne stellt), so wird man ver-sucht zu glauben, daß der Verfasser der Schroffensteiner in seiner Kunstaußerordentlich vorgeschritten sei; betrachtet man aber die eigentlicheBildung des Werkes, geht man von den einzelnen Theilen zum Gan-zen, so muß man sich gestehn, daß der Dichter im Wesentlichen einenbedeutenden Rückschritt gemacht habe. Wieder wird uns die Be-gebenheit wie in der Form eines Prozesses, mit dem auf- und ab-schwankenden Für und Wider vorgetragen, erst, daß wir nur begrei-fen, worauf es ankommt, und als sich dies Räthsel löst, der Wechselder Begebenheit selbst, indem Penthesilea glaubt, sie sei die Siegerin,da sie doch die Besiegte ist. Dieses Gedicht ist merkwürdig und läßt