Einleitung.
XXV
überging? Habe ich nicht selbst die Erwartung der Menschen ge-reizt? werde ich nicht in Paris im Ernst etwas lernen müssen?Ach in meiner Seele ziehn die Gedanken durch einander, wie Wol-ken im Ungewitter. Ich weiß nicht, was ich thun und lassen soll.Alles, was die Menschen von meinem Verstände erwarten, ich kannes nicht leisten! Die Mathematiker glauben, ich werde dort Mathe-matik stndircn, die Chemiker, ich werde von Paris große chemischeKenntnisse zurück bringen — und doch wollte ich eigentlich nichtsals allem Wissen entfliehn. Ja ich habe mir sogar Adressen ansranzösische Gelehrte müssen mitgeben lassen, und so komme ich wie-der in jenen Kreis von kalten, trocknen, einseitigen Menschen, inderen Gesellschaft ich mich nie wohl befinde . . . Schenkte mir derHimmel ein grünes Haus, ich gäbe alle Reisen und alle Wissen-schaften, und allen Ehrgeiz sllr immer ans. Denn nichts als Schmer-zen gewährt mir dieses ewig bewegte Herz, das wie ein Planet un-aufhörlich in seiner Bahn zur Rechten und zur Linken wankt, undvon ganzer Seele sehne ich mich, wonach die ganze Schöpfung undalle immer langsamer und langsamer rollenden Wcltkörper streben,nach Ruhe!" — Noch schmerzlicher schreibt er, 14. April: „Duhattest ein so ruhiges Schicksal verdient, warum mußte der Himmeldein Looö an einen Jüngling knüpfen, den seine seltsam gespannteSeele ewig unruhig bewegt? . . . Verzeihe mir diese Reise, ja ver-zeihe! ich habe mich nicht in dem Ausdruck vergriffen, denn ichfühle selbst, daß die erste Veranlassung dazu nichts als eine Uebcr-cilung war. . . . Mir ist dieses gewaltsame Fortziehcn der Verhält-nisse zu einer Handlung, mit deren Gedanken man sich blos zu spie-len erlaubt hatte, äußerst merkwürdig. Aber nun ist es unabänderlichgeschehen, und ich muß reisen .... Alles ist dunkel in meiner Zu-kunft, ich weiß nicht, was ich wünschet! und hoffen und fürchtensoll . . . Nur ein einziger Wunsch ist mir ganz deutlich: Du! . . .Ich will mich bemühen, die ganze unselige Spitzfindigkeit zu ver-