kkmleitung.
XIX
gehn und die neueste Philosophie in dieses neugierigeLand verpflanzen .... Wenn dn mir ein Paar Jahre, höch-stens sechs, Spielraum giebst, werde ich gewiß Gelegenheit finden,mir Geld zu erwerben .... Aber so lange sollen wir noch getrenntsein? Ich fühle, daß es mir nothwendig ist, bald ein Weib zu ha-ben. Dir selbst wird meine Ungeduld nicht entgangen sein — ichmuß diese unruhigen Wünsche, die mich unaufhörlich wie Gläubigermahnen, zu befriedigen suchen. Sie stören mich in meinen Beschäf-tigungen — auch damit ich moralisch gut bleibe, ist cs nöthig....Mein Plan wäre dieser. Wir hielten uns irgendwo in Frankreichans, etwa in dem südlichen Theil, in der französischen Schweiz, uniUnterricht in der deutschen Sprache zu geben. Dieser Aufenthaltwäre mir aus drei Gründen lieb. Erstlich, weil es mir in dieserEntfernung leicht werden würde, ganz meiner Neigung zu leben,ohne die Rathschlüge guter Freunde zu hören, die mich und wasich eigentlich begehre, ganz und garuicht verstehn; zweitens, weil ichso ein Paar Jahre lang ganz unbekannt leben könnte, welches ichrecht eigentlich wünsche; und drittens, welches der Hauptgrund ist,weil ich mir da recht die französische Sprache aneignen könnte, wel-ches zu der entworfenen Verpflanzung der neuesten Philosophie in
dieses Land, wo man von ihr noch garnichts weiß, nothwendig ist_
Aber daß ja Niemand von diesem Plan etwas erfährt!"
Er wollte also die kantische Philosophie nach Frankreich über-tragen, noch ehe sie selbst in ihn eingedruugen war. Bald sollte siceine verhängnißvolle Wirkung auf ihn auSübcn. — Wilhelmine, diesich sehr eifrig nach seinem Wunsch mit dem Studium Nousseau'Sbeschäftigte, fragt ihn: „Wie sieht es aus in deinem Innern? Dnwürdest mir viel Freude machen, wenn dn mir etwas mehr davonmittheiltest als bisher; glaube mir, ich kann leicht fassen, waö dumir sagst, und ich mochte gern deine Hauptgedanken mit dir thei-len." — „Ich kann dir nicht beschreiben, erwiedcrt er (22. März 1801),
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