Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
498
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498 Blüte der ritterliche» Lyrik und Epopöe.

des Konrad von Würzburg ^«). Der Preis der Jungfrau steigert sichhier in Umfang, in Glut und Ueberladuug. An Walthers Leich wirdsich jeder, wer auch nicht Freude an dergleichen hat, von der wahrhaftenReligiosität und von der feurigen Innigkeit deö Dichters ergriffen fühlenund selbst dem künstlerischen Beurihciler wird der Wechsel des Tons, diestete Frische der Gedanken und Bilder und das rechte Maß genugthuu,das hier bewahrt ist. In Gottfried's Lied ist schon die peinigendste Häu-fung von Benennungen und Vergleichungen, in deren Fülle, Seltsamkeitund Neuheit der Werth des Gedichtes gesetzt wird; die Künstelei imVortrage zeigt, daß das Herz hier nichts mehr zu thun hat, und dieWortspielereien, die man sich im Tristan etwa gefallen läßt, widern hieran. Selbst dieser Mann scheut sich schon nicht mehr die vulgärsten Be-nennungen für Gott zu brauchen, an seine Allmacht die schielendstenGleichnisse zu legen, mit ihm zu tändeln, wie mit der Jungfrau zu lie-beln. Alles dies nun ist in der goldenen Schmiede zum Aeußerstcngetrieben, die ausdrücklich (V. 94) von dem Gottfriedischen Gedichteeingegcben oder angeregt scheint und die es neu bestätigt, daß die Dichterdieser Zeit in nichts so sehr ihren Ruhm suchen, als am Ueberladen undUeberbieten der früheren. Jeder ernstere Mann muß sich hier abwendcu,wenn er ewig nichts hört, als endlose Variationen weniger Gedankenund Bilder, mit denen man den geheimnißvollen und wunderbaren Ei-genschaften und Verrichtungen der Jungfrau sich zu nähern sucht. Diesdauernde Umdrehen und Umwenden in einerlei Vorstellungen, dies süß-liche Versüßen süßerund schmachtender Anrufungen, diesSchaaren voneinem Lob zum andern", dies ewige Hetzen eines Namens mit dem ande-ren könnte nur einem Muselmanue gefallen, der die hundert Kugeln sei-nes Rosenkranzes abbetet. Wenn man gelesen hat, so hat kein Bild ge-haftet, kein Gedanke beschäftigt, keine Empfindung angeklungcn, undnicht einmal war der zuckersüße Vers oder die Worte voll Honigseim imStande, nur in eine ernste oder feierliche Stimmung zu bringen.EinBild, sagt I. Grimm, drängt sich auf das andere, in der Hoffnung,deutlicher zu sein und mehr auszusageu, und da jedes seiner Natur nachfür sich besteht und von vorne auhebt, so kann unter ihnen weiter keinäußerlicher Zusammenhang sein." Es sei also nichts als eine Samm-lung solcher Gleichnisse, ein Versammlen der üblichen Bilder in einSchatzkästlein, ein Aueinanderreihen dieser Edelsteine zu einem goldenen

40V) AuSg. v. W. Grimm. Berlin 1840; der das Gedicht in die letzten Jahredes Dichters legt.