Gottfrieds Schule. Legende».
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statt sich in hohle Paraphrasen zu verwirren, daß jener Eingang: „ImAnfang war das Wort," der wie ein Donncrschlag die Welt durchfahren,seinem rechten Sinne nach rmerklärbar sei, wie die Ursachen des Don-ners, und woher er komme und wohin er gehe. Seine Erzählung istüberaus leicht, fließend, nicht selten bei schwierigen Gegenständen (wiein der Beschreibung des von Oetavian aufgelegten CensnS) elegant undzierlich, dabei anspruchlos und fast ohne das Ermüdende, das ein solcherStoff mit sich bringt. Auf der Beschreibung der Flucht nach Aegyptenliegt ein eigener romantischer Anstrich; einzelne Späßchen laufen sogarmit unter, und die Volksausrnse (Ennumenamen u. a.), die im Grundedas Kirchliche verspotten. Ueberall auch ist der Dichter blos ans dieLaien bedacht; auf die Festtage der Heiligen ist steter Bezug genommen;sein ganzer freierer Vortrag, den man in diesen Stoffen und in diesenZeiten nicht begreifen würde, fließt einzig aus dem lebendigen Tone derPredigt und ihrem Streben nach Anschaulichkeit. Nach dem Epilogedes zweiten Theiles, der bei Hahn nicht gedruckt ist, ist der Dichterwirklich ein Prediger gewesen und er schrieb sein Werk, um der Men-schen'Andacht zu reizen und ihre tugendlichc Sitte zu stärken: was erheute predige, sagt er, das vergehe mit dem Schalle, was er aber mitder Feder schreibe, das, hofft er, solle bleiben über manchen Tag. Esbegreift sich daher, daß man an vielen Stellen der Gesinnung, der Ma-terie und den rhetorischen Kunstgriffen nach an die Bertholdischen Pre-digten erinnert wird. Wo der Dichter seine Erzählung mit Gebeten, mitAnreden und Ausrufungen unterbricht, fühlt man leicht, aus wie wahrerBegeisterung diese fließen und wie er hierin dem Wernhcr weit nähersteht, als dessen andere Nachfolger; und an den rechten Stellen ergießtsich des Dichters menschliche Empfindung in einem feurigen lyrischenSchwung. Als er Christus' Gefangenschaft und Geißelung erzählt hat,ruft er auS: Merkt Wunder, die Kraft ließ sich binden, die Gewalt sichbeugen, die Herrschaft sich neigen, der Freie ward da zum Eigenen. Umwen hast du die Hammerschläge und das Schmieden auf deiner heiligenMenschheit gelitten? Seltsames Recht, daß du deinen Knecht befreitestum den Preis deiner eigenen Knechtschaft, und deine göttliche Kraftbeugtest unter dein Geschöpf. Beweine o Mensch die Nacht, da er ge-fangen ward, u. s. w. Dann versetzt er sich mit gleichem Feuer in dieGefühle der Gottesmutter, die sie damals durchdringen mochten, und inihre Klage am Kreuz. Man kann tadeln, daß ans diesen schmerzvollenSeenen zu sehr verweilt ist; allein es ist weniger die Absicht eines Dich-ters, der auf Rührung, Erhebung und Erschütterung ansgcht, als viel-