Druckschrift 
1 (1853)
Entstehung
Seite
494
Einzelbild herunterladen
 

Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.

dciß er zu verschiedenen Heiligenleben, wie von St. Laurentius (374,12), Gregor (214, 28) u. A., auch besondere Gewährsmänner hat,und daß er die Werke der schriftstellerischen Heiligen, der Ambrosius,Gregorins, Bernhard, Augustin n. A. sehr genau kennt. Im erstenBuche, im Leben der Maria, hat er zum Theil dichterische lateinischeQuellen vor sich"«); im zweiten Theile benutzt er die apocryphen .iclaaposloloimm neben der Bibel, den Kirchenvätern, JosephuS, auch deut-schen Quellen und sogar mündlichen Berichten. Die kleinen Legendenund Wunder, welche die Reliquien, die Gräber, die Erscheinungen undBilder der Apostel noch nach ihrem Leben verrichtet haben, sind ohneRücksicht ans Zeitordnung in das ganze Werk eingestrent. Schon in dieGeschichte der Maria ist eine Anzahl von Erzählungen eingeflochten, dieman auch in den weitläufigeren poetischen Lebensbeschreibungen von ihrnicht findet; Visionen von anderen Geistlichen treten ein; des Herodesganze spätere Geschichte, die Legende von Veroniea nnd TiberinS wirdeingefügt; zahlreiche Wunderanekdotcn von der Kraft der Marienver-ehrung, wie wir sie oben kennen gelernt, werden berichtet. All dies gibtdem Ganzen einen Reichthum von Unterhaltung, was die Geschichte derMaria gegen Wernhcr's oder Phiiipp's etwa so erscheinen läßt, wieUlrich's Alexander gegen die älteren. Was die Behandlung angeht, sohaben wir einen gesunden, verständigen Mann vor nnS, der von seinemGegenstände warm durchdrungen, der Sprache bis zu großer Geläufig-keit und einer manchmal ganz neuen Geschmeidigkeit mächtig, von demsüßlichen Ton der einen, wie von dem chronikartigcn der anderen nnddem schwülstigen der dritten gleich frei ist. Selbst wo ihn einmal, beiGelegenheit der Geschichte des Evangelisten Johannes, der apokalyptischeTon anwandelt, besinnt er sich doch gleich wieder "') nnd gesteht lieber,

illO) Vgl. darüber Pfeiffer, im Vorwort zu den Marienlegenden (Stuttg. 1846),die er aus dem Passional auSgezogcn und herauSgegeben hat, weil die meisten in HahnsAusgabe, die nur Einer Hs. folgt, abgehen. Diese Legenden sind theilweise dem überilk mioaoulis 8. iilaria« von Botho von Prüflingen (l2. Zahrh.) entnommen; für dasLeben Maria's und die Kindheit Jesu benutzt das Passional ein lat, Reimgedicht (vilallariae virginis ot salvatnris metrioa), das auch den Mariengedichten Philipps undWalthers von Rheinau zu Grunde liegt. S. Maßmann Heidelb. Jahrb. 1826.1183.

461) So gibt es sogar eineOffenbarung Johannes" ans dem 14. Jahrh. vonHeinrich Hesler, worin ganz im Gegensatz zu dem der Apocalypse nachgeahmten Räthsel-ton der Spruchdichter, Gottfrieds Helle Manier angewandt und dem behandelten Ori-ginale sein Charakter völlig abgestreift ist. Hennig, Würdigung einer hochdeutschen,Nebersetzung der Bibel. KönigSb. l8I2. p. XXV lk.