Gottfrieds Schule. Legenden.
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Stein- und Thierkenntniß. Neuheit vcrräth er selbst in so abgedrosche-nen Themen wie in der Schilderung der Sommer- und Winterzeit; seineAllegorien, die in Graff's Mitthcilnngen den Mittelpunkt bilden, sindganz Bestimmtheit und Schärfe. Er kleidet (wie es scheint, gab auchhierin Gottfried das Vorbild) seine heilige Christusbrant in die Gewän-der der Tugenden und preist dabei eben jene Jdealtngenden der Zeit, wiedie Theologie und Scholastik die christlichen theologalen Tugenden an-preisen, die Dante zu ähnlichem Schmucke gebraucht: sie trägt den Man-tel der Geduld mit dem Futter der Scham, dem Gürtel der Stätigkeitund dem Kranze, der aus den sechs Blumen der Demuth, Treue, Maße,Barmherzigkeit, Gehorsam und Weisheit geflochten ist.
Einem Sammelwerke von mehr als 100,000 Versen begegnen wirauch in diesem Zweige in dem Passional^), einer Dichtung, diein Sprache, in geschicktem, leichtem Vortrage, in der klaren Behandlungdieser heiligen, so leicht in Unklarheit verleitenden Gegenstände sehr andie gedruckten Auszüge aus Hugo von Langenstein erinnert. Wer derVerfasser ist und wer ihm die Anregung zu seiner Arbeit gegeben, ver-hehlt er selbst (Hahn p. 333) ausdrücklich; einzelne Eigenheiten derSprache verrathcn einen mittclrhcinischen Dichter. Sein ungeheuresGedicht besteht aus drei Büchern. Das Erste handelt von Jesu undMaria. Das Zweite von den Aposteln und Evangelisten und (in einemAnhänge) von S. Michael, Johannes dem Täufer und M. Magdalena.Daö Dritte von 75 Heiligen nach der Ordnung des Kirchenjahrs, vonNicolans bis zu Katharina. Und außer diesem massigen Stoffe hat derDichter sogar noch einen vierten Theil oder ein zweites Werk^), dasLeben der Väter, nach den viiao paiimm des H Hieronymus in wei-teren 30,000 Versen behandelt; er hat cS den früheren Theilen erstspäter augcfügt, da er (Köpke 285, 11) in dem dritten Theile „der VäterBuch" erwähnt, ohne noch seiner Bearbeitung zn gedenken. Der Stoffzu diesem weiten Inhalte ist von dem eompilirendcn Dichter mit einemarbeitlichen Fleiße und großen „Umsnche", dessen er sich selber rühmt,weither zusammcngetragen worden. In den Legenden dcö dritten Buchesscheint er im Ganzen eine gemeinschaftliche Quelle mit Jaeobuö aNora-gine (legonäa aueoa) zu haben, doch sieht man aus einzelnen Stellen,
458) Die Leide» ersten Bücher in: Das alte Passional, HSg. v. C. A. Hahn.1815. Das dritte in: Das Passtonal, Lsg. v. Fr. Karl Köpke. Qnedl. 1853»
459) Hs. in Leipzig. Bruchstücke in Roth's Dichtungen des d. Mittelalters 1845und Tittinann in den Veitr. zur vatcrl. AlterihnmSknnde. Leipzig 1826.