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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.
um so wahrer sie sind, je mehr anwidern. Wenn man hier hören muß,wie die Kaiserin an den Brüsten aufgehängt, wie Georg bald gerädert,bald zersägt und in Pfützen geworfen wird, wie ihm die Nägel abge-hauen und die Wunden vergiftet werden, wer wendet sich da nicht mirAbscheu und Ekel von einer Kunst, ja von einem Religionsglauben weg,die an Schilderung solcher Scheußlichkeiten sich erfreuen oder erbauenkonnten. Und was namentlich den Gebrauch von Wundern angeht, sosprachen wir schon oben darüber unsere Ansicht aus; hier gar wieder-holen sie sich unzähligemal, und hören dadurch sogar aus, die Neuheitzu enthalten, die ihnen das einzige Interesse gibt und sie eigentlich nurzu Wundern macht.
Anders wieder muß man die heilige Martina von Hugo vonLangensteinb) betrachten, die, wenn die bisherigen in der bloßenErzählung und dem heiligen Stoffe ihr Verdienst suchen, mit Allegorieund Lehre zu wirken sucht und daher einen Zusammenhang dieser Gat-tung mit der didaktischen Poesie öffnet. Wir müssen den versprochenenDruck dieses Gedichtes abwarten, um sicher darüber urtheilen zu köuncn.Wackernagel, der das breite Werk von beinahe 33000 Versen ganzkennt, nennt den Dichter verworren und verwildert in Sprache undVers, geschmacklos bis zur Freude am Häßlichen, voll von Entlehnun-gen aus Reinbot und Kvnrad von Würzburg. Uns schien er in einzel-nen Auszügen, die aus dem Werke gedruckt sind, von einer reinerenBegeisterung erfüllt, als die meisten anderen Legendendichter der Zeit;und diese Begeisterung leiht ihm stellenweise eine Fülle von Gedankenund Bildern und eine sprudelnde Beredsamkeit, die sich nur hier undda, wie in seiner Schilderung von dem Gaukelspiele der Welt und demirdischen Treiben der Menschen, zu Spielereien verleiten läßt. Der Vor-trag ist in solchen Stellen, obgleich das Gedicht erst in das Jahr 1293fällt, der blühenden Periode der ritterlichen Dichtung werth; er ist imWesentlichen ganz und gar nach Gottfried gebildet, trotz der einzelnenNachahmungen Konrad's und Rudolf's. Dem dürftigen Stoffe derMartergeschichten scheint Hugo haben aufhelsen zu wolle» durch seineLehren, Schilderungen und episodischen Einflechtungen von allerhandArt. Sein Bilderreichthum ist groß wie seine Gelehrsamkeit in Blumen-,
457) Auszüglich in Diutisca, 2. Band, und in Wackernagel'S Md. Hands. derBasler Bibl. Der Dichter kommt I2S8 in dem deutschen Hause in Freiburg im Breis-gan vor, weist also auch landschaftlich auf die Gegend der Heimat Gottfried'S hin.S. Laßberg in der Ausgabe des Littauers von Schondoch, 1826, den er fälschlich die-sem Hugo zuschrieb.