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1 (1853)
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Blüte der ritterlichen Lyrik und Epopöe.

zeichnet vor dem Gewöhnlichsten dieser Art nichts aus, als die größereBreite und jenes gezwungene Bestreben alles Dagewesene zu überbieten,womit gerade alle Wirkung verloren geht. Wer sollte an solchen StoffenGefallen finden, wenn Barlaam hier den jungen Josaphat im Christen-thum unterrichtet, ihm dabei einen Auszug aus dem alten und neuenTestamente erzählt, ein Misch von trockener Geschichte, von erzwungenerBegeisterung, von knapper Erzählung und dürren Namen, von Allego-rien, Weissagungen, Erfüllungen und Wundern, durch die esdem schwan-kenden Jüngling vollkommen hätte schwindeln müssen! Oder an einemandern Haupttheile des Gedichts, der Disputation zwischen den heidni-schen Lehrern und dem Pseudobarlaam Machor, die nichts von der Ein-falt des Aehnlichen in der Kaiserchronik, noch von dem Schwünge imSt. Georg hat. Oder an der Bckehrungsgcschichte des Josaphat, diewohl ein Drittel des Ganzen eiunimmt; wo uns erzählt wird, wie diewunderlichsten Geschichten, die ihm vorgetragen werden, die Sonderbar-keit seiner Lehrer, ihre halbklaren Gleichnisse und Beispiele, eine Mengevon unbegreiflichen Versicherungen und Glaubensartikeln eine Verände-rung in seinem Herzen hervorbriugen, von der wir am Ende weder ihrEntstehen begreifen, noch ihre Art Ansehen. Was haben wir gelesenund gelernt? Ist der Christ besser geworden als der Heide? er war schonvorher gut; ist er weiser geworden? er hat nichts gehört als Subtilitä-ten und elende Materie fürs Gedächtniß. Die Veränderung besteht ineiner neuen Hülle, die seinem suchenden Geiste übergeworfcn wird; sieberuht auf willkührlichem Vorgeben und Einbildungen; ein Interesse ander Sache könnte blos der Dünkel der bekehrenden Partei eingeben.

Mehr Berücksichtigung scheint der heilige Georg von Reinbotvon Dnrne^) zu verdienen, der ans Aufforderung Otto's des Erlauch-ten von Baiern (regierte von 1231 53) von dem Dichter vielleichtnach einem französischen Originale bearbeitet ward. Wenn Konrad undRudolf in ihren Ansichten Bewunderung für Gottfried aussprechen undseinem Vorgänge folgen selbst in ihren heiligen Gedichten, so schließtsich dagegen Reinbot eng an seinen Landsmann Wolfram von Eschen-bach an, und nicht in blos äußerlichem Nachahmen von einzelnen

455) In der Sammlung von Bnsching und von der Hagen. Band I. Franz Pfeif-fer gibt davon nächstens eine kritische Ausgabe. Reinbot verfaßte den heil. Georg inWörth (zwischen Regensburg und Straubing); sein Name kommt in Urkunden, die inletzterer Stadt gefertigt sind, >240 vor, und er war wie es scheint Geheimschreiber Her-zog Otto's des Erlauchten. Dies Alles wird Pfeiffer in seiner Ausgabe näher belegen.