Gottfrieds Schule. Legenden.
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ihren ersten und heiligsten Gesetzen darin Hohn gesprochen wird zu Gun-sten eines anderen Gesetzes, das nirgends, auch in keiner Offenbarung,geschrieben steht; und daß der gesunde Geist dadurch so beleidigt wird,daß man für alles Andere keinen Sinn übrig behält. — Von den Legen-den, die Rudolf von Ems dichtete, ist der heilige Eustachius, den er imAlexander V. 3195 erwähnt, nicht bekannt. Dagegen besitzen wir vonihm (ans deir Jahren 1230—23) den Barlaam und Iosaphat^),eine Sage, die auö einer ursprünglich griechischen Erzählung angeblichdes Johannes DamaSeenus (um 740) frühzeitig in lateinische Ueber-setznng, und von da ans in alle europäische Sprachen überging, undauch im 12. und 13.Jahrh. außer von Rudolf noch zweimal deutsch behan-delt ward. Rudolfs Gedicht hat früher gleichfalls seine Bewunderergefunden, die davon behaupteten, ein Jeder müsse sich hingerissen fühlendurch die Schönheit und lebendige Darstellung des Ganzen. Wir fühlenuns nicht berufen, in diese Nrtheile cinzustimmen, vielmehr vermissen wirim Barlaam selbst daö, was den heiligen Georg oder die Martina aus-zeichnct, eine gewisse religiöse Begeisterung. Rudolf schrieb zwar seineLegende schon in der Zeit, als er sehr verächtlich (115,24) auf die Weltund ihren Wechsel herabsah, als er seine weltlichenDichtungen schon alsLug und Betrug ansah, den zu büßen er denn diese heilige Geschichteschreibt, bei der der Leser (5,10) sich des armen dichtenden Sünders er-innern solle, der hier nichts ausgenommen habe, als was Apostel undPropheten verbürgen, so daß sein Gedicht als im Gegensatz zu der welt-lichen Kunst angesehen werden muß. Wenn hieran sichtbar wird, wiealler poetische Trieb nun selbst in den Männern ausstirbt, welche sichfrüher mit Freude in der Dichtung von Aventiuren gefielen, so kann manauf der anderen Seite von Rudolf nicht einmal sagen, daß ein frischerfrommer Trieb in ihm den poetischem hier ersetze. Ja selbst was ihn imGerhard auszeichnet, Gewandtheit des Vortrages und eine gewisse poe-tische Hebung, selbst dies findet sich hier nur in mäßigem Grade; hiervcrräth sich am meisten seine prosaische Natur, die Doeen dem in alleHöhen sich zwingenden Konrad von Würzburg hätte gcgenüberstellenkönnen, um zu zeigen, wie verschiedene Wirkungen das Aussterben derdichterischen Stimmung in der Nation auf die verschiedenen Spätlingedieser Dichterzeit ausübte, statt daß er diesen Dichter dicht neben Gott-fried von Straßburg zu rücken nicht üble Lust zeigte^'H. Den Barlaam
458) AuSg. v. Fr. Pfeiffer. Leipzig 1843.
454) Altdeutsches Museum. I. Band. Gallerie altdeutscher Dichter.